So bitte nicht!

Normalerweise schreibe ich ausschließlich selbst in meinem Blog. Für dieses Mal eine Ausnahme. Grund ist eine Entgleisung eines sog. Komikers im Fernsehen. Mir war das Ganze einfach zu blöd um darauf zu reagieren Herr Pierre Castell hat mir eine Bericht darüber geschrieben hinter dem ich voll stehen kann und deshalb veröffentliche:

So bitte nicht!  Gastautor: Pierre Castell
Soeben schaute ich mir die ZDF-Live Sendung „Fernsehgarten“ an, die von Andrea Kiewel moderiert wird. Eine bunte Sonntags-Familiensendung, die kurzweilige Unterhaltung bietet. Oft auch mit Zauberkünstlern/Illusionisten, weshalb ich sie mir – falls ich die Zeit dazu habe – öfter anschaue.

Die Moderatorin moderiert einen fernsehbekannten Comedian an, bei dem ich mich schon oft fragte, wie es dieser junge Mann schaffte, auf einem anderen Sender seine eigene TV-Show zu bekommen. Künstler (völlig egal ob Komiker oder Zauberkünstler), die billigste Witze auf Kosten der Zuschauer machen, gehören meiner Ansicht nach nicht auf die Bühne. Erst recht nicht ins Fernsehen.

Luke Mockridge – von dem hier die Rede ist – kommt auf die Bühne und präsentiert dann einen „Auftritt“, der unbeschreiblich peinlich ist. Uralt-Gags und Sprüche aus der untersten Schublade, wobei er direkt zu Beginn die älteren Zuschauer beleidigt (zumindest habe ich das so empfunden). Das Publikum ist fassungslos und es kommen die ersten Buhrufe.
Dieser Auftritt wird dermaßen schlimm, dass die Moderatorin ihn abbricht. Mir stehen die Schweißperlen auf der Stirn und ich bin sehr wütend. Es gibt Momente, da schämt man sich, Entertainer zu sein. Dies war solch ein Moment. Wenn ich es nicht live gesehen hätte, könnte ich es vermutlich kaum glauben. Eine ähnliche Situation erlebte ich übrigens mal während des Auftritts eines Zauberkünstlers bei einer Hochzeitsfeier. Auch damals war ich darüber geschockt, wie hemmungslos gewisse „Künstlerkollegen“ sein können. Die Hochzeitsgesellschaft schaute sich fragend an und war fassungslos darüber, wie sich der Zauberkünstler vor ihnen benommen hatte.

Es gab schon öfter Künstler, die im Fernsehgarten das Familienpublikum offenbar nicht so ganz im Griff hatten. Es waren fast immer Comedians, die in den Sendungen der privaten TV-Sender wie RTL und Sat1 scheinbar „großen“ Erfolg hatten, die aber bei Live-Auftritten in den öffentlich-rechtlichern Sendern wie ARD oder ZDF kläglich versagten.
Missbrauchte Luke Mockridge den Auftritt, um eine Wette einzulösen? Betrunken war er meiner Ansicht nach jedenfalls nicht. Was er heute im Fernsehgarten brachte, war vermutlich „geplant peinlich“ (noch peinlicher, als das, was er sonst so macht)

Wie gesagt, der Auftritt wurde von der Moderatorin abgebrochen. Eine Popgruppe sang. Danach nahm die Moderatorin live Stellung – sichtlich erregt – zum plumpen Auftritt von Luke Mockridge:

„Ich muss jetzt noch mal was sagen, weil mich das die ganze Zeit bewegt. Sie wissen, wie mir der Fernsehgarten mit all seinen Zuschauern am Herzen liegt. Ich moderiere diese Sendung jetzt seit 19 Jahren, und das was Luke Mockridge hier gerade abgeliefert hat, übertrifft all meine Vorstellungen an Unkollegialität, die ich jemals erlebt habe. Wir haben den Kollegen vor Wochen eingeladen, er kam heute früh nicht zu den Proben, weil er `angeblich´ verschlafen hat. Ich denke mir, er wollte gar nicht, dass wir wissen, was er hier vor hat. Lieber Kollege Mockridge, diese Sendung gibt es seit 33 Jahren – und zwar sehr erfolgreich. Dass es dann ein junger Künstler wagt, auf meiner Bühne vor meinem Publikum wie ein Affe rumzuspringen – aus welchen Gründen auch immer – halte ich für das mieseste Verhalten (an dieser Stelle kommt vom Publikum lauter Beifall), was es unter Künstlern, unter Kollegen geben kann. Shame on you, Luke Mockridge. Never ever again!” (Zitatende, Andrea Kiewel).

Hier der Auftritt, ab Minute 5:22 dann die – für mich – bewegenden Worte von Andrea Kiewel an Mockridge:

https://www.youtube.com/watch?v=tCdN6fARgUY

Pierre Castell



Kategorien:Info:

  1. Interessant, was der „Welt“-Feuilletonredakteur Matthias Heine dazu sagt (siehe auch das Video) – erinnert mich sehr an den Satz von Hanno Rhomberg „Mir war das Ganze einfach zu blöd, um darauf zu reagieren!“

    https://www.welt.de/kultur/theater/article198793989/Fernsehgarten-Skandal-Luke-Mockridge-hat-sein-Publikum-einfach-unterschaetzt.html?wtrid=kooperation.reco.taboola.free.welt.desktop

  2. Test

  3. Der Fremdschäm-Auftritt war sehr witzig, schade, dass man ihn abgebrochen hat, bevor er ihn auflösen konnte. Eine professionelle Gastgeberin hätte sich auf ihren Gast vorbereitet: Teil seines neuen Showformats ist das erfüllen von Kinderwünschen. Hätte man als Moderatorin mit Kiewels Bildungshintergrund drauf kommen.
    Hat man jedoch – wie die Kiwi – selbst schon Kollegen live im Fernsehen für Geld mächtig in die Scheiße gerissen (#Schleichwerbung, #Kerner), dann geht man natürlich vom Schlimmsten im Menschen aus.
    Angesicht dieses Backgrounds ist Kiewels mediale Haßkampagne gegen einen jungen Künstler ziemlich ekelerregend, wenn sie denn nicht seine Show pushen soll.
    Den Eindruck habe ich nicht, weshalb ich der Meinung bin, dass nach 19 Jahren Kiwi-Diktatur der Show eine etwas aufgeschlossenere Leitung gut tun würde.

    • Hallo Mario, wie alles ist auch das Geschmackssache. Allerdings denke ich hätte ein professionell agierender Künstler sich darauf vorbereitet und wäre zur Probe gekommen und das mit dem Sender klar gemacht. Wer einfach versucht eine Sendung zu crashen hat das Risiko dass abgebrochen wird. Insoweit denke ich, dass der Comedian sehr unprofessionell gehandelt hat. Wenn er nur auf Aufmerksam aus wahr, hat er duch diese Aktion ohnedies einen Erfolg einheimsen konnte. Die verärgerten Fernsehgarten Stammseher sind ja wohl kaum sein Publikum. Danke für den Hinweis.

    • „… Kiewels mediale Haßkampagne gegen einen jungen Künstler ziemlich ekelerregendel!“

      Ich habe mal den in Ihrem Namen verlinkten Blog angeklickt und gelesen.

      Mein Fazit:
      „Ekelerregend“ und zutiefst abstoßend finde ich eher IHRE bösen und aus meiner Sicht hetzenden Worte (wie z. B. „vorbestraft“) und andere Passagen gegen Andrea Kiewel Ihres Artikels auf Ihrem Blog,

      Nicht nur geschmacklos, sondern vermutlich auch aus juristischer Sicht sehr bedenklich.

      Aus IHREN Worten spricht der pure Hass!

      • Sie lassen einschränkende/abschwächende Adjektive meinerseits weg und verschweigen Ihren Lesern, dass das ein seichter Lehrartikel über Lesermanipulation ist. Sie haben Ihr Handwerk gelernt! Ihre Reaktion erfüllt 90% der Antwortmuster, die auf meinem Hand-Out für die Schüler stand.🤭 Ach ja, da Sie ja der Profi sind: Ist Schleichwerbung im ÖR Fernsehen eine Straftat?

      • Das öffentliche Fernsehen ist voll von Schleichwerbung, das wissen Sie doch…..

  4. gebe dir recht Pierre,
    das was Luke dort abgezogen hat war ja nicht einmal ansatzweise lustig. Ich hatte sogar das Gefühl das er jede Pointe bewusst versemmelt hat, das war wirklich aller unterste Schublade.

  5. Laut Medien soll ein vor Ort anwesender Künstlermanager – der namentlich nicht genannt werden möchte – (es handelt sich nicht um Mockridges Manager) später gesagt haben: „Das war eine geplante Verarsche für alle und jetzt profitiert er halt davon. That‘s Showbusiness.“

    Wenn ich richtig informiert bin, startet bei Sat 1 demnächst eine neue Showreihe mit dem in meinem Beitrag genannten „Komiker“. Sollte für diese neue Show Aufmerksamkeit erzielt werden? Denn angeblich hatte der Komiker sein eigenes Kamerateam mit dabei.

    Wie auch immer – was auch immer:
    Wer solche Methoden nötig hat, auf sich oder ein neues Fernsehformat eines anderen Senders aufmerksam zu machen, ist in meinen Augen arm. Nicht arm an materiellen Dingen, nicht finanziell gesehen (die Gagen des Comedians liegen vermutlich deutlich höher als die der allermeisten Zauberkünstler).

    Meiner Meinung nach ist er arm an Emotionen und was seinen Respekt gegenüber Kollegen angeht. Wie er die Sendung mit Andrea Kiewel dazu benutzte, um sich „Aufmerksamkeit“ zu erschleichen, ist richtig mies. Man mag zum „Fernsehgarten“ stehen wie man möchte, aber Andrea Kiewel lebt für diese Sendung. Das Publikum – insbesondere die älteren Zuschauer – derart zu beleidigen, ist für mich eine Bühnensünde! Die Show und Stimmung einer Kollegin vorsätzlich nach unten zu ziehen und auf jeglichen Respekt hinsichtlich des Publikums zu pfeifen, nur um Schlagzeilen zu machen, ist in meinen Augen einfach nur widerlich.

    Wie ich es befürchtete, sind jetzt im Netz bereits Stimmen aus einer gewissen Schicht junger Leute zu vernehmen, die das Vorgehen von Mockridge als „cool“ oder sonstwie aus ihrer Sicht „lobend“ umschreiben. Unter dem Deckmantel „den ZDF-Machern mal den Spiegel vorzuhalten“ und zu zeigen, „wie verstaubt der Fernsehgarten“ angeblich sei!

    Luke Mockridge hat nach meinem Empfinden die Grenze des Anstands weit überschritten. Jegliche Form von Respekt – sowohl aus kollegialer Sicht Frau Kiewel gegenüber, als auch den treuen Zuschauern gegenüber (von denen 5.000 jeden Sonntag viele Hunderte Kilometer Anfahrt in Kauf nehmen, um bei dieser Live-Sendung mal persönlich dabei sein zu können) hat er missachtet.

    Wie wurde gesagt?
    „“Das war eine geplante Verarsche für alle und jetzt profitiert er halt davon. That‘s Showbusiness.“

    Wenn das Showbusiness sein soll, dann werde ich rot im Gesicht und erhebe mich gegen diese Worte!

  6. leider sind die meisten lustigen „KÜNSTLER“ nur traurig

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