Magic Salzfassl – Kleinkunst entdeckt Zauberkunst

P1014027Dass man „Magische Wettbewerbe“ mit Laienbewertung auch gut und unterhaltsam machen kann, zeigten die Veranstalter der Kulturinstitution Arche Noe in der Grenzstadt Kufstein. Ich bin ansonsten kein Freund von aus dem Boden sprießenden Wettbewerben, deren Titel dann in der Folge von den Gewinnern vermarktet werden und der Anschein erweckt wird, dass es sich um international wichtige Events gehandelt hat.

Doch das Magic Salzfassl in der Kulturinstitution Arche Noe machte es besser. Sie lud Zauberkünstler ein, die bei der monatlichen „Open Stage“ Veranstaltung  Kulturgröschtl (Gröschtl ist ein Tiroler Resteessen) mitgemacht haben. Es war ein spielerischer Wettbewerb, ohne den Anspruch zu erheben, den nächsten Weltmeister zu küren.

Da stellten sich also 5 Zauberkünstler dem Pulikum und einer Fachjury.
Die Fachjury stellte sich zusammen aus dem  Leiter eines großen Veranstaltungszentrums, dem Inhaber einer Eventagentur, dem Zauberkünstler und Aladinmitarbeiter Franz Kaslatter und mir (Hanno Rhomberg).  Die Fachjury wurde mit 40% gewichtet, das Publikum mit 60%.

Dass es bei magischen Wettbewerben Sinn macht, dass auch Zauberfachleute in der Jury sind, die die Zauberszene kennen, kann man an einem einfachen Beispiel festmachen:
Zauberkunst sehen viele Zuschauer zum ersten Mal  und haben nur wenig Vergleichsmöglichkeiten. Ob ein Kunststück eigenständig ist, eine eigene Präsentation enthält, können Laien nicht beurteilen. Aber wenn wir Zauberkunst als Kunst verstehen, sollte in einem Wettbewerb eigene Kreativität und Umsetzung betont werden.

Man denke nur an die Musik. Jemand der erst 1-2 mal ein Lied gehört hat, ist vielleicht begeistert wenn er das Kufstein Lied hört. In einem Musikwettbewerb hätte aber die Vorführung dieses Lieds keine Chance, da sie eine Musiknummer ist, die jeder Alleinunterhalter spielen kann.  Auch Comedians die alte, bekannte Witze erzählen, werden kaum je einen Comedypreis bekommen. Reine Reproduktion wird in keiner Kunstrichtung in Wettbewerben belohnt. Wir Zauberer können uns bei Publikumsbewertungen da „durchschummeln“, mangels Vergleichsmöglichkeit.

Folgende Vorführende waren am Start:

Collin
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Collin
vom MZvD, zeigte Großillusionen auf  engem Raum, eine Sprechnummer und eine Gedankenübertragung mit seiner charmanten Partnerin Selina. Für die kleine Bühne war die Illusionsnummer schlecht geeignet, beeindruckte das Publikum aber durch die Effekte und den riesigen Aufwand. Collin möchte mit der Illusionsnummer bei der Vorentscheidung an den Start gehen und nutzt jede Möglichkeit eines Auftritts. Unter den Umständen kann man die Entscheidung verstehen, mit so einer Nummer hier auf engstem Raum anzutreten.
Ein dritter Platz war am Schluss das gute Ergebnis.

Andreas Meier:
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Andreas Meier
aus München zeigte sehr gute Sprechzauberei. Mit fehlerloser, guter Technik präsentierte er Klassiker. Er ist ein eher ruhiger Typ, der einen feinen Humor hat,  kein „Schenkelklopfer Humor“. Es ist keine Wettbewerbsnummer für einen Zauberkongress, dafür gab es zu wenig künstlerische eigenständige Umsetzung. ABER es war eben verdammt starke Zauberei. Elegant und überzeugend. Dass das Publikum an einem Zauberabend genau diese Nummer an die erste Stelle wählte zeigt, dass die Menschen  getäuscht werden wollten und Zauberei sehen wollten. Eine sehr schöne Nummer, die einen Spitzenplatz verdient hat.

Kornelia Weiland:
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Kornelia Weiland alias GERTRUDE BIMSLECHNER präsentierte ihre Nummer, in der sie perfekt in die Rolle einer Putzfrau schlüpft die zu zaubern beginnt. Ein schön abgestimmtes Programm mit Comedy und natürlichem Witz. Man merkt dass Kornelia viel an dieser Nummer gearbeitet hat. Eine der zwei Nummern des Abends, denen man eine Regie anmerkt.
Am Schluss reichte es aber nicht für einen der drei vorderen Plätze.

Markus Laymann:P1014056Markus Laymann, schlüpfte in die Rolle eines französischen Zeitreisenden, der perfekt abgestimmt mit Kostüm, Musik und Sprache die überzeugendste Bühnenfigur geschaffen hat. Die Zauberei stand dabei nicht unmittelbar im Fokus. Es war die Figur, der auf den aktuellen Anlass angepasste Vortrag, einige dramaturgische Effekte, die die Nummer so unterhaltsam machten. Eine sehr spannende Darbietung die den zweiten Platz errang und auch beim Laienpublikum sehr gut  ankam.

Rudy Christl:
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Rudy Christl, der in der Werbung als „Best Comedy Mentalist 2018“ in der Presse angekündigt wurde, nahm die Zauberkunst auf die Schippe mit einigen Slapstick Gags und später mit 3 Klassikern, die humorvoll präsentiert wurden. Ob einem die Präsentation gefallen hat, ist immer eine Frage des persönlichen Geschmacks. Für das Publikum wars unterhaltsam. Für eine Platzierung unter die ersten drei reichte es aber nicht.

Ein gutes Programm das beim Publikum gut angekommen ist. Es war für jeden etwas dabei!

Ein Wort zum Wertungssystem: Das Publikum konnte mit 2 Chips für je 2 Künstler abstimmen. Dieses Bewertungssystem ist recht hart, denn nur 2 der 5 Künstler bekommen einen Chip. An diesem Abend waren die Favoriten zweifelsfrei Markus Laymann und Andreas Meier. Das bedingt dass es für  die anderen eben nur Reststimmen gibt. Eine recht harte Bewertung.
Die Fachjury konnte mit Punktesystem die Nummern differenzieren. Dass das nicht immer einfach ist bei so unterschiedlichen Programmen ist verständlich.

Da zwei der vier Fachjuroren nicht aus der Magischen Szene kommen sondern auch den Publikumsgeschmack in ihrer Arbeit berücksichtigen, kann man sagen dass die Nichtzauberer 80 % Gewichtung hatten. Das Ergebnis entspricht daher dem Publikumsgeschmack und das ist gut so.
Übrigens  ist es  mir nicht bekannt wie die  anderen Fachjuroren bewertet haben. Es gab keine Möglichkeit sich abzusprechen. Das fand ich auch interessant.

Am Schluss noch ein Wort zum Begleitprogramm:

Axel Kröll
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Durch das Programm führte der Innsbrucker Comedian Alex Kröll der witzig und auf den Punkt die Show moderierte. Sympathisch, selbstironisch und mit einem Augenzwinkern- der perfekte Moderator für so eine Show. Er stellte sich in den Dienst der Künstler.

Margo Chapeau:

Zum Abschluss noch ein Höhepunkt: Die Burleske Tänzerin Margo Chapeau zeigte eine sehr unterhaltsame und professionelle Show rund um die sexuellen Phantasien einer Sekretärin. Geschmackvoll, witzig, professionell!

Der Mann am Klavier:
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In der Pause unterhielt der  Binder Florian Binder  das Publikum mit Live Musik am Klavier und leistete damit einen wichtigen Beitrag zur Stimmung des Abends.

Die Macher der Arche Noe geben Zauberern in Kufstein in ihrem bezaubernden Varieté eine Bühne. Dafür gebührt  ihnen großer Dank. Es ist eine Truppe rund um Sigi Bric, die mit viel Einsatz und Herzblut einen Ort geschaffen hat, der Kleinkunst und Musik eine Heimat in Tirol gibt. Und das in dem zum Kufsteinlied schunkelnden Tirol!
Wenn das keine Leistung ist!
Der Kontakt:
Logo-Webseite4

Kulturverein Arche Noe
Südtiroler Platz 4
6330 Kufstein
Email: info@archenoe.at
http://www.archenoe.at
Telefon: +43 664 7511 3641



Kategorien:Info:, Review Shows

1 Antwort

  1. Danke für die Berichterstattung.

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