Personenkult in der Zauberkunst

Aus anderen Kunstrichtungen sind wir es bereits gewohnt. Künstler oder Sportler die stark in der  Öffentlichkeit stehen, bewegen die Menschen. Ganze Zeitschriften schlagen daraus ihr Kapital indem Sie aus der Welt des Showbiz berichten und versuchen uns die intimsten Gedanken der Öffentlichen Personen zu zeigen.

Fanclubs in Fußballvereinen, Fanclubs von Künstler wie z.B. Helene Fischer u.a., sind an der Tagesordnung. Hier treffen sich Menschen die einen Großteil ihrer Freizeit damit verwenden, ihre Künstler zu unterstützen. Sie treffen sich malen Transparente, verfassen den längsten Fanbrief der Welt oder bringen selbst Zeitungen heraus.

07-EhrlichBrothers_BehindTheScenesDer Erfolg der Ehrlich Brothers und ihre große Popularität weit über zauberaffiges Publikum hinaus hat, dazu geführt, dass so ein „Kult“ in der Zauberkunst Realität wird.

In der aktuellen Ausgabe des Aladin haben wir dieses Phänomen untersucht und mit Fans, Künstler und Psychologen gesprochen.
Dieser mehrseitige Bericht finden sie – neben vielen anderen Berichten – in der Ausgabe 4 der Zauberfachzeitschrift ALADIN.  (http://aladin.blog/abo)



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  1. @Hanno,
    ich kann verstehen, das es problematisch ist, zu diesem Thema deutlicher zu werden. Schnell führt ein unbedacht erwähnter Name zu Konsequenzen, die kaum überschaubar sind. Dennoch – bewusst ohne Namen zu nennen – sollte man sich schon selbst fragen, ob ÜBERTRIEBENE Fankultur oder VÖLLIG ABGEHOBENE Allüren nicht fehl am Platze sind. Dabei kann der Fan ja meist nur Zeit und Geld verplempern. Die zentrale Figur im Spiel PERSONENKULT neben Zeit und Geld auch sein Ansehen.
    Maß und Mitte…

  2. Hanno Rhomberg
    „Was aber nicht bedeutet dass es negativ sein muss.“

    Genau. Darum ging es mir…

    Somit ist alles gesagt;-)

  3. „Solange alles in sinnvollem Ramen bleibt, das denke ich, ist das auch völlig in Ordnung.“

    Was ist sinnvoll?
    Wenn sich beide Seiten gut dabei fühlen? Was bedeutet das konkret? Habe den neuen Aladin auch noch nicht erhalten und konnte den Artikel daher ebenfalls noch nicht lesen. Ich selbst mag den „Fan-Rummel“ (so wie z. B. bei den Ehrlich Brothers) absolut nicht. Aber was spricht denn dagegen, wenn sehr populäre Künstler wie die E. B. dies machen? In Deutschland hat diese Fan-Pflege meines Wissens nach (unter den deutschen Zauberkünstlern) niemals zuvor jemand so intensiv und voller Überzeugung praktiziert wie Jan Rouven. Keiner seiner Fans fühlte sich ausgenutzt. Ganz im Gegenteil Seine Fans waren überglücklich, einem so „großen“ Illusionisten so nahe kommen zu dürfen.

    Wenn man allerdings für Fanartikel so unverschämt hohe Preise wie David Copperfield nimmt (was mir in München sehr unangenehm auffiel) wird das wohl so manchen Fan sehr enttäuschen.

    „Der Künstler fühlt sich den Anforderungen immer weniger gewachsen!“
    Eine nicht belegbare Pauschalaussage.

    • Lieber Peter, wie kommst Du denn zu dieser Aussage:
      „Eine nicht belegbare Pauschalaussage.“?

      Das ausufernde Umgangsformen beide Seiten überfordern ist doch nun nicht wirklich neu. Du hast ja im Prinzip das geschrieben, was ich im Post zuvor thematisiert hatte. Nur beschränkst Du Deinen Blick auf die Fans. Dabei hat auch das Thema seine zwei Seiten und darauf wollte ich hinaus. Glaubst Du, das Künstler, die eine riesiger Fangemeinde haben, immer damit glücklich sind? Ja, eine Weile vielleicht, es macht sich ja auch finanziell bemerkbar. „Aber, das darfst Du mir glauben, es kommt der Tag, da wären sie gern ganz normale Leute. Die hingehen können, wohin sie möchten, die tun und lassen können, was sie wollen, ohne ständig beobachtet zu werden. Und endlich wieder ohne eine Entourage reisen dürfen.“
      Leider ist die Reihe derer, bei den Ruhm zur Hybris wurde und die dann letztendlich daran gescheitert sind, lang…

      • Hallo Olaf!

        „Glaubst Du, das Künstler, die eine riesiger Fangemeinde haben, immer damit glücklich sind?“

        Wieso denn nicht? Solange man nicht der absolute Superstar ist und wirklich ÜBERALL erkannt wird, glaube ich das schon. Wieviele Zauberkünstler werden denn (nur von denen spreche ich) überall erkannt? Glaubst Du tatsächlich, dass man Chris von den Ehrlich Brothers überall privat erkennt (ohne gestylte Bühnenfrisur/ohne sein Bühnenoutfit)? Solange man nicht Justin Biber ist, wird vieles überschätzt. Bis letztes Jahr waren meine direkten Hausnachbarn zwei sehr bekannte Fernsehschauspieler, die regelmäßig in Serien wie „Tatort“ usw. zu sehen sind. Diese Gesichter erkennt man auf Anhieb, da sie auch in anderen Rollen wöchentlich (manchmal sogar mehrmals in der Woche im Fernsehen) zu sehen sind. Echte Stars unter den Schauspielern. Nie habe ich erlebt, dass wir z. B. beim Einkaufen im Supermarkt oder im Café von Massen an Fans belagert wurden. Viele Prominente werden im Alltag überhaupt nicht wahrgenommen. Zumindest nicht so, wie Du dir das vielleicht vorstellst.

        „Aber, das darfst Du mir glauben, es kommt der Tag, da wären sie gern ganz normale Leute!“
        Die wirklich Großen SIND ganz normale Leute. Sie laufen fast nie (auch wenn das gewisse Privatsender im TV gerne vermitteln wollen) mit Kappe und Sonnenbrille über die Straße. Das machen in der Regel bevorzugt die B u. C-Promis oder Eintagsfliegen.

        „Die hingehen wohin sie wollen und tun und lassen können, ohne ständig beobachtet zu werden!“
        Was befähigt Dich, Deine Meinung als Tatsache darzustellen?

        Sogar Superstars wie z. B. Thomas Gottschalk lieben es, wenn man sie erkennt (vielleicht ausgenommen im Restaurant beim Essen). Ich traf ihn auf dem Weg zu einer Lesung. Ein ganz ruhiger angenehmer Mensch, ebenfalls ohne „Maskierung“ am Flughafen. Solche Stars sind dankbar, wenn sie von Fans erkannt werden und betrachten dies als das, was es auch ist: Ein Kompliment an ihre Arbeit!

        Künstler, die ihren Erfolg nicht durch Sendungen wie „DSDS“, sondern durch jahrelanges hartes Arbeiten erlangten, freuen sich aufrichtig, wenn sie ihre Fans sehen.

        Wir könnten stundenlang weiter diskutieren. Jeder von uns hat seine eigene Meinung. Durch meinen Beruf habe ich unzählige Künstler (die fast jeder vom Fernsehen kennt) näher kennnengelernt, mit einigen verkehre ich auch privat regelmäßig. Je größer diese Stars sind (bis auf wenige Ausnahmen) umso weniger haben sie in der Regel Starallüren.

      • Schön, das Du so viele bekannte Gesichter kennst, ich bin froh, das Du sie hier nicht alle aufgezählt hast. Denn ob das etwas mit PersonenKULT zu tun hat, wenn man im Tatort zu sehen war?

        Bei der Diskussion geht es doch mehr um EXTREME. Nicht um durchschnittlich bekannte Menschen aus dem Fernsehen.

        Viel spannender wäre für mich die Frage gewesen, ob von dem Hype um einzelne etwas auf die ganze Szene „abfärbt“. Bei einzelnen erfolgreichen Sportlern zum Beispiel. Die Vorbild für junge Menschen sein können.

        Um bei diesen Gedanken zum Wechselspiel zwischen dem Erfolg EINZELNER und der MOTIVATION vieler zu kommen.

        Oder die Erwartung moralische Werte vorgelebt zu bekommen, nach denen sich gerade der Nachwuchs orientiert.

        Die Frage, ob nun jemand mit Hut und Sonnenbrille rumrennt, ist einfach am Thema vorbei.

      • Ich kann nur meine Erfahrungen sagen, die ich bei der Recherche zu dem Artikel hatte. Ja es färbt ab. Die Fanclubs haben durch die Ehrlich Brothers ihre Liebe zur Zauberkunst entdeckt. Es wurden Fanclubs für Marco Weissenberg oder Wolfgang Moser gemacht. Ich hatte zahlreiche Anfragen von Fans den Aladin zu abonnieren. In ihrem Fanmagazin werden nun auch andere Zauberer besprochen und promotet. Das sind sicherlich sehr positive Aspekte. Ich hab im Artikel versucht darüber ausgewogen zu berichten. Es gibt natürlich auch Extreme die mir sehr viel Unbehagen bereiten und den Künstlern auch. Aber darüber will nieman gerne öffentlich etwas sagen, denn es ist eine wichtige Fanbase für die Künstler. Und es ist auch nicht meine Aufgabe ein Psychogramm eines extremen Fans zu zeichnen. Es ist halt nicht alles Schwarz/Weiß sondern mit vielen Grautönen versehen. Es war einer der schwierigsten Themen die ich hatte und ich bin damit nicht glücklich, weil ich persönlich hier anders ticke und vieles nicht verstehe. Aber nicht nur bei den Zauberern sondern in der Musik oder im Showbusiness Was aber nicht bedeutet dass es negativ sein muss.

  4. Ohne bisher den AladinArtikel gelesen zu haben, möchte ich meine Gedanken dazu zur Diskussion stellen. Vielleicht auch gerade deswegen?
    Jedem steht Demut gut zu Gesicht. Die Bretter, die die Welt bedeuten verlangen Mitspieler, die sich öffentlich zeigen wollen. Sei es in einer Rolle oder sei es, sie spielen sich selbst. Schnell gewinnt man den Eindruck, das sich der Künstler selbst für besonders hält. Das die Selbstzweifel oft viel größer sind, sieht meist nur, wer hinter die Kulissen sieht.
    Insofern gehört Darsteller und Zuschauer zusammen, der Fan sicher in besonderer Art und Weise. Solange alles in sinnvollem Ramen bleibt, das denke ich, ist das auch völlig in Ordnung.
    Ausufernde Fankultur und übertriebene Vermarktung führt vielleicht schneller zu gegenteiligen Ergebnissen.
    Der Künstler fühlt sich den Anforderungen immer weniger gewachsen, die Fans fühlen sich mehr und mehr – auch finanziell – ausgenutzt.
    Wie im wahren Leben ist manchmal weniger mehr…

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