Kongress Abano (3): Wissenschaft trifft auf Zauberkunst

Vorbemerkung:
Schaut man durchs Internet, besucht Zauberkongresse oder liest Magische Zauberzeitschriften, stellt man meist fest, dass der Hauptfokus auf der Methodik der Zauberkunst liegt. Wir kennen 10 unterschiedliche Methoden eine Karte nach oben zu bringen, lernen 5 Doublier-Methoden oder besitzen 7 Versionen der Karte in Brieftasche, aber wissen so wenig über die Psychologie, wie Täuschung geschieht.
Das Wenige was hier zu lesen ist, ist meist nicht wissenschaftlich untersucht und sind eher unbestätigte selbstbestrickte Theorien. Wissenschaftlich bedeutet, dass es dazu saubere Untersuchungen gibt, sodaß die Ergebnisse auch nachvollziehbar sind.

Doch es gibt Wissenschaftler, die sich mit dem Phänomen der Täuschung befassen ohne dass sie in die Zauberszene involviert sind.
Zauberer und Wissenschaftler scheuen oft den direkten Kontakt, wobei beide Gruppen sich damit nichts Gutes tun.

Es ist Domenico Dante zu verdanken, dass er mit FISM sich zum Ziel gesetzt hat, den Schulterschluss mit der Wissenschaft zu wagen und es zum Inhalt einer Veranstaltung bei diesem Kongress zu machen. Es war eine geschlossene Veranstaltung von FISM und ausgesuchten Wissenschaftler. Ich hatte die Ehre mit dabei zu sein.
Was für eine Veranstaltung. Es würde hier zu weit führen auf Inhalte näher einzugehen. Aber ich werde an anderer Stelle darüber fundierter berichten. Wer glaubt, dass dies graue Theorie sei, ist auf dem Holzweg. Nach diesen intensiven 4 Stunden interaktivem Workshop, war ich stolz dass die Zauberkunst in meinem Leben eine wichtige Rolle spielt.

P1000852Christine Mohr moderierte interaktiv die Veranstaltung und schaffte es die Diskussion lebhaft und abwechslungsreich zu gestalten. Presidente Domenico Dante schaute, dass alle seine Redner auch zu Wort kamen, war die Zeit doch knapp bemessen.

Aber es war ein vielentsprechender Beginn der zeigte, dass Zauberkunst und Wissenschaft gemeinsam eine Türe aufstoßen können, die für beide Teile Überraschendes zu bieten hat.

Teilnehmer:


Dr. Andrea Baioni, General Manager CMI College, Gerrit Brengman, FISM International Consultant, Astrid Dante, Psychologist, Psychotherapist, Dr. Domenico Dante, International Präsident of FISM, Prof. Marita Dante, author, emeritierte Professur University of Padova, Proffesor Graziella Fava Vizziello,  Professor Psychopathology, University of Padova, Jason Latimer, Artist, FISM World Champion, Prof. Christine Mohr, Institut de Psychologie de Lausanne,  Dr. Prof. Giuseppe Mascolo, past Chief of Neurology O.C. Volterra, Professor at Universities of Pisa and Siena, Dr. Matteo Rampin, MD, Psychiatrist, Psychotherapist, Autor, Dr. Gustav Kuhn, B.Sc, D.Phil., head of the MAGIC lab at Goldsmith, University of London (via Skype), Satoru Yamamoto, Int. Vice President FISM, Dr. Luigi Bianco, Peter Din, Int. Vice Präsident FISM, Gianni Loria, Präsident Club Magico Italiano, Hanno Rhomberg, Präsident Magischer Ring Austria + Editor ALADIN

Wir berichten demnächst mehr darüber!

 

 



Kategorien:Info:

  1. Also das ist ja eine anregende Unterhaltung, und ich nehme mir mal die Freiheit etwas mitzumischen. Natürlich haben sich Wissenschaft und Zauberkunst immer wieder die Hand gereicht, es passiert ja auch selten wirklich etwas total neues.
    Ein neu gekürter Doktor der Psychologie hatte mir das neulich zugeschickt. Sehr amüsant. Vielleicht amüsiert es sie auch.

    https://static1.squarespace.com/static/57a054de9f7456fc3ff1cc98/t/596ca872e6f2e1d4b2007f25/1500293236813/PEOPLE_Untold_Story_Henry_Slade.pdf

    Wie dem auch sei, ich denke Domenico Dante wollte mit dieser Sitzung nichts an sich Neues erfinden. Wir hatten uns mehrfach getroffen, weil ich mit Gustav Kuhn vor 3 Jahren ein Forschungsprojekt began, in dem wir natürlich mit Zauberern arbeiten. Aber wir sind natürlich nicht die Einzigen. Es ist wunderbar, dass noch viele andere sich ebenso für die Zauberei in der Forschung begeistern. Der Thomas Fraps macht wunderbare Forschung zur Problemlösung mit Amory Danek. Er hat seine Fähigkeiten bei der letzten SOMA Konferenz in London vorgeführt. Dort hatten wir das phantastische Glück Tamaris in seiner Kunst beobachten zu dürfen. Für uns Psychologen war das eine etwas eigenartige Erfahrung. Wir waren viel weniger beeindruckt wie unsere Zauberer-Kollegen und -Kolleginnen.

    Als er aber in einem Seminar seine Vorgehensweise erklärte, fielen uns dann doch die Kinnladen herunter. Einfach klasse.

    Drum, es geht meiner Meinung nicht darum, was zum 1. oder 2. Mal gemacht wurde. Domenico Dante fand unsere Gespräche stimulierend (ich übrigens auch), und fragte sich, ob es anderen auch so geht. Falls ja, wie könnte man unsere Ansichtsweise auch für Zauberer interessant machen. In wieweit können wir voneinander lernen? Hanno wünschte sich, dass Berichte solcher Zusammenkünften auch in den jeweiligen Landessprachen mitgeteilt werden könnten. ich stimme ihm zu. Wir stellen einen Bericht auf Englisch zur Verfügung, und wir versuchen auch die deutsche Leserschaft zu informieren. Also in meiner Familie in Süddeutschland (Baden) gibt es noch einige, die kein Englisch gelernt haben.

    Jedenfalls toll, dass es Interesse gibt.
    Christine

  2. Naja, ganz so neuartig wie es in dem Artikel klingt, ist die Idee nicht … es gibt eine Gesellschaft, die regelmäßig Wissenschaftler und Zauberkünstler zusammenbringt und dafür sogar eigene Kongresse abhält: „SOMA – The Science of Magic Association“ (https://scienceofmagicassoc.org).

    Mit Gustav Kuhn war jemand in Abano, der seit vielen Jahren auf dem Gebiet forscht und publiziert. Er spielt auch bei SOMA eine Rolle.

    Wenn Du das Thema angehen/vertiefen möchtest: Prof. Andreas Hergovich an der Universität Wien forscht auch zu Zauberkunst und Psychologie (Aufmerksamkeit). Er hat zuletzt mit Oberfichtner-Hopla eine Studie zur Misdirection beim Becherspiel veröffentlicht. Vielleicht ist einer von beiden ein Interview- oder Ansprechpartner für Dich?
    Und ich liege gerade in den letzten Zügen mit einer Promotion bei Prof. Hergovich zum Thema, wie sich das „Framing“ einer Vorstellung auf die Wirksamkeit der Misdirection auswirkt.

    Schön, dass FISM sich in diese Entwicklung und Diskussion aktiv einbringt – und Danke für Deinen Bericht! Wie immer spannend zu lesen!

    • Natürlich ist es nicht neu, aber dass sich die Zaubergemeinde offiziell damit befassen möchte und kooperieren wird, ist neu. Mit Gustav Kuhn sind wir in Kontakt und sind mit seiner Kollegin Christine Mohr (Lausanne) an einem sehr konkreten Projekt.

    • „… es gibt eine Gesellschaft, die regelmäßig Wissenschaftler und Zauberkünstler zusammenbringt!“

      Nicht nur „eine“ Gesellschaft, das machen auch schon seit vielen Jahren die „Skeptiker“: https://blog.gwup.net/

      • Vielen Dank für den Hinweis. In der Tat sitzen im GWUP-Wissenschaftsrat sowohl Zauberkünstler (Thomas Fraps) als auch Wahrnehmungspsychologen (Dr. Rainer Wolf u.a.).

  3. Guter Beitrag! Passend zum Thema mache ich gerade für PM-wissen eine Serie wo auf die Psychologie und Funktion der Sinne und Fähigkeiten des Gehirns hinter der Zauberkunst eingegangen wird. Gestern war der erste Beitrag auf Servus TV. Am 8. November ist der nächste Beitrag. Wenn du möchtest kannst es gerne einbauen. Magische Grüße und Alles Gute

    Von meinem iPhone gesendet

    • Ja ich weiss, ich hatte im Vorfeld darüber mit der Produktionsfirma von Servus TV Kontakt über das Projekt. Bin schon neugierig, wie es umgesetzt wurde. Wenn ich es gesehen habe mache ich sicher einen Beitrag darüber. Ich kontaktier dich dann gerne.

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