Start in Abano (2): La Familia

Der erste Tag beginnt mit einem zauberhaften Gala Essen. Um 19:00 trifft man sich zum Aperitif und dem Horsd’œuvre.

Man hat mich gewarnt. Zurückhaltung ist angesagt, denn was da am langen Buffet aufgebaut wird, würde für eine Woche satt machen. Köstlichkeiten von Land und Meer machen Appetit. Dazu allerlei farbige alkoholische Getränke, wobei ich lediglich Wein, Prosecco und einen Aperol Spritz identifizieren kann.

Viele Empfänge anlässlich von Kongressen wären glücklich so ein Abendessen zu servieren, aber hier sind es nur die Vorspeisen…

Die Musik ertönt, man begibt sich zu seinen Plätzen, an runden Tischen in einem Saal mit Bühne.  Was auffällt sind die vielen jungen Zauberer und dass sich die meisten schick gemacht haben.
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Die Leute sind sehr freundlich und herzlich. Ein älterer wildfremder Knacker küsst meine Frau ungefragt, es kann nicht an der italienischen Gastfreundschaft liegen, denn mich würdigt er keines Blickes…. J

Ja die Italiener haben einen speziellen Charme. Dieser Abend zeigt dies wieder einmal deutlich. „Beim Essen kommen die Leute zusammen“ sagt man in Italien nicht nur, man handelt auch danach. Ein sympathischer Zug, den Italiener mit Franzosen und Spanier teilen….  Dort werden Geschäfte beim Essen gemacht, es kann noch so hektisch sein, soviel Zeit muss einfach sein.

Hier sitzt Jung und Alt zusammen und die Stimmung ist einfach großartig. Je später der Abend umso freundschaftlicher.
Die Veranstalter haben viel dafür getan. Die Mitglieder des Club Italien sind wunderbare Gastgeber und überraschen immer wieder mit Aufmerksamkeiten. Blumen für die Frauen, Kartenspiele für die Männer.


Zu Beginn spielt eine Musikband bestehend aus drei Frauen. Eine davon Astrid Dante, die Profimusikerin ist. Countrymusik würde ich den Stil bezeichnen. Ein schöner Beginn.  An unserem Tisch sitzen die einzigen deutschsprachigen Teilnehmer: 8 Personen. Ansonsten sind noch ein paar asiatische Gäste im Saal. Es ist daher klar, dass der Abend auf Italienisch verlaufen wird. Kein Problem. Man versteht nicht alles, aber die Leidenschaft und die Begeisterung des teilweisen italienischen Stakkatos reißt mit.

Begrüßung durch Domenico Dante, dem Präsidenten der FISM, Gianni Loria dem Präsidenten des Magischen Club Italiens und Andrea Baioni, dem Direktor des CMI College, das italienische Künstler auf die Weltmeisterschaft professionell vorbereitet.

fullsizeoutput_9057Eine besondere Ehre wird zwei Wissenschaftlerinnen zuteil, die sich mit der wissenschaftlichen Erforschung der Zauberkunst befassen. Christine Mohr, von der Fakultät für Psychologie an der Universität von Lausanne, sowie Graziella Fava Vizziello, Professorin für Psychologie an der Universität von Padua werden als „Doktoren“ des CMI College aufgenommen.  Sie werden morgen im Rahmen einer geschlossenen Veranstaltung, zu der ich auch eingeladen bin eine Podiumsdiskussion über das Thema: „Wissenschaft und Zauberkunst“ leiten.

Aber heute steht Geselligkeit und Kennenlernen auf dem Programm. Interessante Kontakte werden bei ausgezeichnetem Essen geknüpft.
Nach der Hauptspeise zeigen die Italiener, wie sie ihre Helden von Busan feiern. Mittels einer unterhaltsamen PowerPoint Show, zu der ein Vereinsmitglied zur Gaudi der Zuschauer singt, wird an Busan noch einmal kurz Revue erinnert. Dann werden die Teilnehmer auf die Bühne geholt und emotional geehrt. Die Atmosphäre erinnert in seiner Begeisterung an der Empfang von Inter Mailand, wenn es von einem Champion Spiel zurück kommt.

Ein Nachspeisen Buffet schließt den kulinarischen Teil des Abends ab. Es ist 23:00 Uhr und die Dinner Show beginnt:

Moderiert wird Sie in typisch italienischer Manier von der hübschen Moderatorin Elena FRIGO. Da werden die hauptsächlich männlichen Zuseher wieder rasch munter.


Drei Acts folgen:
P1000735Der Italienische Zauberkünstler MAXIM zeigt eine klassische Taubennummer, wie sie in Italien noch immer sehr populär ist. Elegant, sauber und für das Laienpublikum magisch. Verfechtern des Tierschutzes mag es vielleicht hie und da sauer aufgestoßen sein, aber lassen wir die Kirche im Dorf. Bevor man sich hier aufregt, sollte man überlegen, wie man erklärt, warum man noch kurz vorher an einem Buffet mit Fleisch und Fisch seinen Spaß hatte. Ich möchte nicht den Vergleich anstellen zwischen Massentierhaltung und dem Leid, dass Tieren in Zaubervorstellungen angetan wird. Wir sind hier oft sehr inkonsequent und scheinheilig.
Wer sich darüber mehr Gedanken machen möchte, sei das Spezialthema über Tierzauberei im Aladin (Nr. 5/2016) ans Herz gelegt. 23 Seiten voll Expertenmeinungen!  (bei uns sind noch Restexemplare zum Preis von 10,– erhältlich!
Aber zurück zu MAXIM. Eine saubere traditionelle Zaubernummer.

P1000768Es folgt der Venezianer Tiziano Cellai.Er zeigt in einem schönen Bühnenbild klassische Effekte, schön verwoben zu einem Thema. Tuch durch Doppelspiegel, Flüssigkeitsfärbungen.

Der blühende Apfelbaum und das zerteilen eines Apfels mit einem unsichtbar geschossenen Pfeil.

Dazwischen reißt die Sehne des Bogens, die Tiziano in Hindufadentechnik wieder restauriert. Eine schön komponierte Präsentation.

P1000831Dann folgt der Schausteller und Horrormagier JABBA, der in Italien sehr populär ist. Seine Horrorshows habe ich schon bei der FISM in Rimini 2015 „genossen“.

Er lässt an Schrumpfköpfen riechen, lässt einen mitwirkenden Freak Einkaufswagen bilanzieren, dazwischen ein Gag der aus einem Kinderprogramm kommen könnte. Das Programm scheint etwas zusammengewürfelt zu sein, das durchgängige Thema fehlt. Ich denke, dass er seine sonst noch makabre Show entschärfen wollte. Mit einer Ratte zeigt er Unappetitlichkeiten und zum Abschluss holt er eine Riesenschlange aus einem Korb und kommt zum Entsetzen der Zuschauer ins Publikum. Frauen springen nach hinten um dem zu entgehen.
JABBA passt in eine Freakshow, auf ein makabreres Straßenfest oder in einen Zirkus. Aber als Schlussgang eines eleganten Abendessens?

Ein sehr unterhaltsamer und spannender Abend geht zu Ende. Es ist ein Fest der Magischen Familie Italiens. Ich bin sehr froh unsere italienischen Freunde besucht zu haben und freue mich jetzt auf die kommenden Tage.

Darüber berichte ich später!

Hanno



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  1. Das nach Italien kommen wäre kein Problem, da es für diesen Kongress auch eigene Tageskarten gibt.

    Für dich Hanno ein guter Tip: Lass deine Frau bei diesem Kongress nicht aus den Augen, denn da sind mehrere ältere Knacker am Weg :))Die Italiener mögen halt schöne Frauen.

  2. „Ein älterer wildfremder Knacker küsst meine Frau ungefragt, es kann nicht an der italienischen Gastfreundschaft liegen, denn mich würdigt er keines Blickes…. !“

    Naja, dann sind Sie wohl nicht sein Typ;-)

    Nein, im Ernst: Dies ist schon ein seltsames Verhalten…

    Danke für die Eindrücke und Fotos. Ich weiß nicht woran das genau liegt, aber bei Ihren Schilderungen habe ich – im Gegensatz zu Berichterstattungen von manch anderen Autoren – immer das Verlangen nach noch mehr. Viele Schilderungen von Autoren berühren mich nicht, sie wirken oberflächlich und ohne Herz geschrieben. Bei Ihren Berichten springt der Funke über!

    Am liebsten würde man sich direkt in den Flieger setzen und nach Italien kommen!.

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