Steve Cohen – The Best of Magic

Der erste magische Höhepunkt unserer Reise ist Geschichte.
Und was war das für ein Höhepunkt!

Um in einer Stadt, wie New York über Jahrzehnte erfolgreich zu sein muss man Außergewöhnliches bieten. Denn hier hat man jeden Abend die Wahl zwischen den besten Shows, Theaterstücken, Konzerten oder Musicals. Weltstars treten ständig auf den unzähligen Bühnen der Stadt auf.

Steve Cohen tritt jedes Wochenende 5 mal im ehrwürdigen Lotte New York Palace auf. Bis zu 60 Personen können die Show besuchen. Die Tickets kosten zwischen 100,– und 150,– Dollar.
Seit Bestehen der Chamber Magic Show, haben über 500.000 Menschen die Show gesehen. Steve Cohen ist also kommerziell erfolgreich. Aber kann er auch Kollegen beeindrucken, wurde ich im Vorfeld meiner Reise öfters gefragt.

Hier meine Eindrücke von seiner Show am 15. Juli 2018.

1-Lotte-Gallery2018-5b071bf03daefDas Lotte New York Palace Hotel liegt an der eleganten Madison Avenue, nahe am südlichen Teil des Central Park. Ein wunderbares Hotel mit historischen Räumlichkeiten die für  Salonzauberei wie geschaffen ist. Aber was soll ich viel erzählen, schaut selbst.

Man wird begrüßt und steht – sofern man Tickets gekauft hat – auf einer Gästeliste. Hier das erste Wunder. In einer Stadt, in der Menschen gewohnt sind in Jeans, Shirts und Flipflop ins Theater zu gehen, findet man ein Publikum, das sich dem Rahmen angepasst hat und elegant gekleidet ist. Krawatte, Sakkos, Abendkleider. Spießig? Nein,
es ist der Respekt vor der Lokalität, dem Künstler und dem außergewöhnlichen Ambiente.
20-Lotte-Gallery2018-5b071b1b21e22Das Publikum eine Mischung aus jungen hippen Paaren, Familien mit erwachsenen Kindern  und älteren Paaren. Ich bin neugierig wie Steve mit diesem Publikum zu Rande kommt. Sicherlich nicht einfach. Schon vor Einlass habe ich ein älteres Paar belauscht. Die Frau war offensichtlich nicht begeistert ob der Abendgestaltung, denn Zauberei ist scheinbar nicht ihr Ding.

Aber warum verlässt sie 90 Minuten später mit leuchtenden Augen am Ende die Show? Warum taut ein steifes Publikum auf und spendet Steven am Ende der Show echte Standing Ovation?
Was ist das Geheimnis seines Erfolgs?

Ich versuche, wenn ich Zauberei sehe, sie aus den Augen eines Kindes zu sehen. Ich möchte mein Wissen um Strategien und Tricktechnik vergessen, möchte einfach getäuscht werden. War es nicht dieses Gefühl der Täuschung das mich zur Zauberei brachte. Diese unbändige Staunen, das Gefühl bezaubert zu werden.
Im Laufe der Zeit verlernt man das, man kennt Geheimnisse und beraubt sich dieses wundervollen Gefühls.
SCohen034cDeshalb möchte ich die Show genießen, ohne mich von Tricktechniken und Insiderwissen  zu beschäftigen.

Wenn man – so wie ich – unzählige internationale Künstler live gesehen hat, ist es eine Sternstunde dass dies gelingt. Dieser Abend ist einer dieser Sternstunden.

Ich möchte nicht keine Beschreibung des Abends posten. Man muss diese Show selbst erleben . Aber ich möchte Ihnen sagen, warum sie so außergewöhnlich ist.

Salonzauberei in purer Form
Steve Cohen ist ein Purist. Im Land des Showbiz spielt er den Salonzauberer wie man ihn wohl auch im Salon von Hofzinser erleben konnte. Kein technisches Beiwerk, keine Scheinwerfer, keine Spiderwand oder Zaubertischchen die dazu geschaffen wurden, um auf der Bühne zu stehen und die nach Zauberei schreien.
All dies würde die Atmosphäre des Raumes zerstören. Steve tritt im Frack gekleidet inmitten seines Publikums und erstaunt mit generischen Objekten, die hier sind. Er wirkt so sehr authentisch.

Mut zur Einfachheit
Steve lässt sich nicht darauf ein, eine Routine nach der anderen herunter zu hudeln. Er hat den Mut seine Zauberkunst zu zelebrieren, ohne sich jedoch in unnötige Längen zu verlieren. Der von Malini beeinflusste Ziegelstein aus dem Hut beschränkt sich auf diese perfekt vorgeführte Illusion ohne in eine endloses Produktion immer noch erstaunlicher wirkenden Objekten zu verlieren.

Zuschauer wachsen zu einer Gesellschaft zusammen
Aus Einzelpersonen wird im Rahmen der Show eine Gesellschaft. Fremde lernen sich kennen und es wäre interessant nach der Show noch ein wenig mit dem ein oder anderen zu plaudern. Grund dafür ist eine außergewöhnliche Frage und Antwort Routine mit der Steve sein Publikum gegenseitig interessant macht.
Diese Routine geht über 20 Minuten und es bleibt wohl kein Zuschauer im Raum, der nicht mit eingezogen wurde. Dabei ist es kein glasklares Gedankenlesen, sondern ein Lesen von Fetzen von Gedanken mit Fehlern, die  im Laufe der Routine wieder Sinn ergeben. Das macht das Fesselnde aus.
Sind 20 Minuten nicht zu lange? Vielleicht, aber der Umstand, dass fast jeder im Fokus des Geschehen ist, die Art der sehr persönlichen Infos sorgt für Spannung. Tricktechnik ist in dem Zusammenhang zweitrangig, sie tritt in den Hintergrund, Das Publikum ist beeindruckt und reagiert stark. Eine Q&A Nummer, die mich einmal nicht langweilt. Denn interessante Informationen aus dem Publikum sorgen für die Unterhaltung. Der Zuschauer wird zum Star. Und sind Geschichten von Menschen nicht die Essenz von Kommunikation?

Perfekte Täuschung
1000-de von Vorstellungen, Zauberkunst in kleinem Rahmen die sich über Jahrzehnte perfektioniert, bezaubern mich diesen Abend. Wir könnten hier jetzt das Programm analysieren und zerlegen. Aber ich würde dabei nur dem Missverständnis Tribut zollen, dass Zauberei nur Tricktechnik sei. Hier bei Steven sorgt Perfektion dafür, dass Wunder in den Köpfen entstehen. Ob ein Münzverschwinden, eine Kartenroutine, Kartensteiger oder sein berühmter Teekessel, es ist perfekt präsentiert.
Missdirektion, Kunstgriffe die unsichtbar bleiben, lassen den Gedanken an Tricks in den Hintergrund treten. Ich kenne viele tolle Künstler mit außergewöhnlichen magischen Fähigkeiten. Bei Steve kommt einfach dazu, dass er die Show über 5.000 mal gespielt hat.

Storytelling
Steve webt seine Zauberei in interessante Geschichten ein. Kunststück Themen werden mit den Räumlichkeiten verschmolzen.  So erzählt Steve unaufdringlich historische Geschichte des Hotels. Henry Villard der Erbauer und Besitzer kommt als Geist und sorgt für manche Effekte,

fullsizeoutput_2149Nach der Show, als die Zuschauer mit leuchtenden Augen den Raum verlassen, zeigt Steve noch für 6 spezielle Gäste einige Effekte direkt un unmittelbar im Stehen. Wie man es nicht anders erwarten kann perfekt.
Anschließend plaudern wir noch ein wenig. Er zeigt uns noch einige Räumlichkeiten des Hotels.

Ein phantastischer Abend muss auch einmal zu Ende sein. Was kann so einen Abend noch toppen? Nichts! Deshalb gehen wir schlafen.
Was uns Steven noch an diesem Abend erzählte, warum die Show so ist wie sie ist und was seine Inspiration für sein Programm ist, wird ein eigener Beitrag in der Zeitschrift Aladin sein.

Photos dankenswerter Weise:
Steve Cohen (Even Zimmerman, Roger Hagadon), Lotte Place Hotel New York

 

 



Kategorien:Info:, USA Reise 2018, Zauberszene USA 2018

  1. Vielen Dank, dass wir an Deinem Erlebnis ZauberKUNST teilhaben dürfen!

  2. Wer schon selbst mal Beiträge in dieser Ausführlichkeit und bis ins kleinste Detail geschrieben hat, weiß, wieviel Zeit dafür „draufgeht“.

    Dass wir an der Reise sozusagen mit teilhaben dürfen und der Autor uns täglich etwas von seiner Zeit dafür schenkt, um viele seiner Eindrücke und Erlebnisse zu schildern, ist toll!

    Herzlichen Dank!

    • Ja das ist aber nicht pure Nächstenliebe. Schreiben erhaltet auch für mich Erlebnisse. Man befasst sich nochmal intensiver damit und verarbeitet das Gesehene ganz anders. Abgesehen davon gibt es mir ein Gerüst für ausführlichere und fundiertere Berichte für den Aladin. Dieser Blog entsteht oft in totaler Erschöpfung in der Nacht. Deshalb auf – sicher viele Fehler. Aber da hab ich Mut nicht perfekt zu sein, denn sonst wäre es nicht zu machen.

  3. Danke für diesen tollen Bericht. Weiterhin gute Reise und viel Glück.
    Liebe Grüße Robert

  4. So macht Kommunikation Spass

  5. Guter, sachlicher, informativer Bericht. Danke

  6. Danke Hanno für die Schilderung dieser tollen Eindrücke. Gruß von der Ostseeküste, Peter.

%d Bloggern gefällt das: