Meine Beine Deine Beine

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Die Wellen schlagen hoch! Beim Auftritt der Ehrlich Brothers in der TV Sendung „Verstehen Sie Spass“ zeigen Andreas und Chris ihre Version der zersägten Dame.

In einer komplexen längeren Routine, versucht Andreas sich aus Fesseln zu befreien, scheitert und wird durch eine riesige Kreissäge halbiert Er wird zerteilt gezeigt, seine Füße werden von Chris abgenommen und sich selbst angesetzt. Der vierbeinige Chris scherzt damit herum.
Diese Sequenz erinnert sehr stark an Rudi Cobys Nummer die weltbekannt ist.  Bei den Ehrlichbrothers geht es nun weiter und die beiden Beine fahren auf einem Board herum um dann schließlich wieder an Andreas angesetzt werden.
Eine gruselige, überzeugende aber humorvoll gebrachte Nummer.

In Fachkreisen ist sie jedoch Auftakt zu Diskussionen.
Auslöser ist ein frustriertes Posting von Rudy Coby, der sich auf Facebook aufregt, dass die EB ihm die Nummer geklaut hätten und er es nicht versteht, dass sie bei ihm nicht angefragt hätten.
Über 100 Postings und schließlich auch das Genii Online Portal wettern gegen die beiden Künstler.
Wir haben versucht mit beiden Beteiligten bzw. ihrem Umfeld Kontakt aufzunehmen um mit den Betroffenen persönlich zu sprechen. Hier das Resultat unserer Recherchen.

Vorwurf 1: Zersäge Illusion wurde von Copperfield (Death Saw) geklaut
Dieser Vorwurf ist absolut unberechtigt Die Copperfield Zersäge ist komplett anders aufgebaut. Die Kreissäge ist schon lange verwendet worden. Blutrünstige Zersägen gibt es schon von Richiardi, aber auch Blackstone.
Es handelt sich aus unserer Sicht um eine eigenständige Lösung

Vorwurf 2: Der zerteilte Andreas (Oberkörper auf Brett) erinnert an die Illusion von Kevin James bei dessen Zerteilung.
Bei dieser Version, handelt es sich um eine vollständig unterschiedliche Illusion. Dies sowohl in der Technik, als auch bei der Präsentation. Ich kann daraus keinerlei Plagiat erkennen.

Vorwurf 3: 
Der 4 Beine Gag von Rudy Coby. Hier kann man die Sache aus zwei Gesichtspunkten betrachten:
Rudy Coby ist mit der Nummer seit vielen Jahren außerordentlich bekannt. Als ich die Ehrlich Brothers damit sah, dachte ich sofort an Rudy  und nahm an, dass es Kontakt zwischen den Künstler gegeben hätte.
War aber nicht so. Für diesen Gag gibt es bereits Quellen von 1969.   Der Künstler Rolf Harris hat ihn im britischen TV Sender am 22. März 1969 gezeigt.
Persönlich bin ich der Meinung, dass es sich gehört hätte bei dieser Ähnlichkeit in einer Zaubernummern einen Kollegen zu kontaktieren. Denn wenn  die Ehrlichbrothers ehrlich sind, dann haben sie die Inspiration sicher nicht bei Harris gefunden, sondern bei Rudy Coby, der dafür weltbekannt in Zauberkreisen ist.
Völlig unnötige schlechte Presse in renommierten Zauberkreisen sind die Folge. Die wird wieder vergessen sein, aber sind sie nötig?

Fairer Weise, sollte man aber doch den Harris Clip von 1969 anschauen, bevor man daraus ein Plagiatsvorwurf macht. Die Beine sind sicherlich nicht die Erfindung von Rudy Coby. Lassen wir die Kirche im Dorf. Es ist eine Frage des gegenseitigen Respekts unter Künstler, auch in Grenzsituationen sensibel zu handeln.
Hier gehts zu Rolf Harris Version:
https://www.youtube.com/watch?v=GS-itkO9ia8



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4 replies

  1. Eine kleine Ergänzung zu meinem Artikel. Inzwischen sind die Recherchen abgeschlossen. Ich habe nach vorläufigem Interesse durch Rudy Coby keine Zusage für ein Interview bekommen. Dies wohl auch daher, da nach sorgfältiger Recherche die Fragen vielleicht doch komplexer sind, dass man sie mit einem „Fuck these guys „ beantworten kann.

    Bei wem hätten die Ehrlich Brothers um Erlaubnis fragen sollen?
    Bei Rudy Coby, der die Inspiration für die Füße bei Rolf Harris 1961 gesehen hat? Bei Clowns oder Artisten, die den Stunt bereits vor dem 2.Weltkrieg zeigten? Der Gag war so bekannt, dass selbst der Schweizer Showmaster Kurt Felix ihn in einer TV Sendung zeigte (Danke für den Hinweis Jürgen Peter).

    Es ist einfach in sozialen Medien drauflos zu poltern und einfach unvollständige Informationen zu posten, die andere diffamieren, Wir mussten es im österreichischen Wahlkampf jetzt erleben, der amerikanische Präsident macht es fast täglich vor. Im Aladin sind wir kritisch, aber wir recherchieren bei Betroffenen. Rudy Coby weicht den berechtigten Fragen aus.

    Zurück bleibt ein unkollegialer Angriff in Stichworten, der einer Hinterfragung nicht standhält und das Mob auf den Plan ruft.
    „Fuck you Mr. Coby“

    • „Die Geister, die ich rief….!“ (Goethe)
      Da hat sich Mr. Coby dann wohl ein Eigentor geschossen.

      Seine Reaktion verwirrt mich doch sehr. Nun hat er erreicht, dass sein Vorwurf gegenüber den Ehrlich Brothers sich so entwickelte, dass auch er sich diesen gefallen lassen muss.

      Ein Kopist, der kopiert wird, beschwert sich über einen Kopisten und wird dabei entlarvt, selbst kopiert zu haben.

      Seine Reaktion zeigt, wie schlecht er damit umgehen kann und was davon zu halten ist.

      Hätte Rudy Coby doch besser mal den Mund gehalten – nun hat er sich selbst geschadet!

  2. Als „Nachtrag“ zum „aladin“-Heft Nr. 4-2017 ist dieser Artikel sehr aufschlussreich. Der Kommentar von Pierre Castell gibt auch recht genau mein persönliches Denken dazu wieder. Trotzdem möchte ich das Ganze nicht allzusehr nur nach technischen Einzelheiten beurteilen, sondern in einen etwas grösseren Zusammenhang stellen.
    Grundsätzlich kann man wohl sagen, dass eine Kreissägen-Illusion vom Laienpublikum (sofern es sich an den Effekt erinnert) primär das Zersägen eines Menschen darstellt. Seit Kalanags Zeiten gehört es „zum guten Ton“, die Einzelteile nach dem Zersägen vorzuzeigen. Insofern spielt es keine Rolle, ob das Köpfe oder Beine sind.
    Konkret: Wenn ein Illusionist die Kreissäge weiterentwickelt und dabei auf Ideen und/ oder Techniken von Kollegen zurückgreift, dann würde es ihm wohl anstehen, den „Vorgänger“ zu kontaktieren (siehe „Anstand und Respekt“ von Eberhard Riese auf Seite 36 in „aladin“ 4-2017). Wenn die Weiterentwicklung gar von Bedeutung ist, dann wäre eine Dokumentation der Quellen sehr hilfreich für die Geschichtsschreibung. Das sind also schon zwei Gründe für ein korrektes Verhalten.
    Der dritte ist der: Je „prominenter“ einer ist, umso höher sind die Ansprüche an seine moralische Haltung und das dürfen sie auch sein, weil die „Prominenz“ gerne Vorbildfunktion für sich in Anspruch nimmt. Man darf erwarten, dass diesem Anspruch auch nachgelebt wird….
    Merke: Prominenz oder Berühmtheit sind -vor allem heute!- sehr kurzlebige Erscheinungen. Man kann sehr schnell „abgelöst“ werden und auf dem Abstellgleis landen. Dann aber sind unschöne Erinnerungen das letzte, was man wirklich braucht, meint Rico Leitner

  3. „Fairerweise sollte man aber doch den Harris Clip von 1969 anschauen, bevor man daraus ein Plagiatsvorwurf macht. Die Beine sind sicherlich nicht die Erfindung von Rudy Coby. Lassen wir die Kirche im Dorf.“

    So sehe ich das auch, siehe mein Kommentar vor einigen Tagen: https://staunen.wordpress.com/2017/10/15/ehrlich-brothers-verstehen-sie-spass/#comments

    Wie schon in meinem Kommentar geschrieben, geht diese Idee bis in die 1950er Jahre zurück. Leider finde ich momentan die Quelle nicht. Ich müsste mal bei Gelegenheit, wenn ich sehr viel Zeit dazu habe, in meinem Videoarchiv stöbern. Gestern berichtete mir ein alter Artistenfreund, dass er in Erinnerung habe, dass die Idee mit den Beinen sogar schon in den 1920er Jahren vorgeführt und auch in amerikanischen Filmen der 1930er Jahre eingesetzt wurde. Sobald ich weitere Infos erhalte, werde ich darüber berichten (falls Interesse besteht)!

    Die ganze Sache erinnert mich an meinen alten Freund Ray Dondy, der weltweit mit einem Trampolin-Comedy-Act engagiert wurde. Heute gibt es von dieser Nummer dutzende Kopien, wovon meiner Meinung nach keine einzige an Ray Dondy herankommt (Ray hatte eben das gewisse Etwas in seiner Ausstrahlung). Seit Jahrzehnten denken viele Jungartisten, dass Ray Dondy (weil er eben der Beste war und die höchsten Gagen erhielt) der Urheber dieses Act´s war. Dem ist aber nicht so. Der erste Artist mit der Comedy-Trampolinnummer war Larry Griswold. Ray Dondy war damals aber der Einzige, der sich beim Urheber vorher die Erlaubnis einholte und Larry Griswold für jeden Auftritt, den er machte, 10% seiner Gage an ihn zahlte (was vertraglich vereinbart wurde).

    Ray Dondy:

    Larry Griswold:

    Ich stimme Hanno Rhomberg zu, wenn er meint, dass die Ehrlich Brothers bei Rudy Coby hätten anklopfen und mal nachfragen können. Ein guter Gedanke. Denn auch meinem Wissen nach war Coby nun mal der erste aus den Reihen der Täuschungskünstler, der die Beinnummer populär machte.

    Die negative Presse wird den Ehrlich Brothers geschäftlich gesehen kaum schaden. Aber es kann sicher auch nicht schaden, wenn sie auf ihren Ruf achten.

    Ich persönlich würde es als eine faire Geste der Ehrlich Brothers betrachten, wenn sie Rudy Coby mit einer Einmalzahlung oder sonst wie „entschädigen“. Finanziell dürfte es für sie kein Problem sein – und moralisch erst recht nicht!

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