Die Wirtshaustour des Markus Gimbel

P1000030 Das Geheimnis erfolgreicher Biersorten ist die Regionalität. Die Qualität ist abhängig vom guten Wasser der Region. Es ist ein ehrliches Produkt, das dort am besten schmeckt wo es erzeugt wird.

Diese Gedanken schwirren durch meinen Kopf, als ich von Bad Reichenhall heimfahre, wo ich einen Magischen Abend von Markus Gimbel angeschaut habe.

Da gibt es viele Parallelen zum lokalen Bier.
Markus ist authentisch. Er ist Tiroler. Nach außen hin ein Urgestein eines Tirolers.
Er strahlt Ruhe aus, ein geerdeter Mensch in dessen Anwesenheit man entschleunen kann.

Markus ist Zauberkünstler und Bauchredner. Man ist geneigt zu sagen, noch einer von der Sorte. Aber Markus ist einfach anders. Was ich über ihn als Person gesagt habe, das ist er auch wenn er vor Publikum steht.

„In der ersten Minute muss der erste Trick erfolgen, man muss den Zuschauern gleich mal zeigen wo der Hammer hängt, man muss sein Gasfeuerwerk starten“ kann man in so manchem Handbuch für Entertainer lesen. Doch es geht auch ganz anders. So wie es Markus an dem Abend gemacht hat in Bad Reichenhall in der ehrwürdigen alten Saline in dem ein schönes Restaurant ist.
Es ist die letzte Station seiner Wirtshaustour.

Das große Lokal ist ausverkauft. Die Leute sitzen an Tischen und genießen die feine Küche. 19:30 beginnt  die Show. Das Konzept der Wirtshaustour ist wunderbar. Der Wirt macht ein Essen in dessen Rahmen Markus sein Programm zeigt. Teils zwischen den Gängen, teils nach dem Essen, ganz abgestimmt auf das Ambiente des Lokals. Und die sind verschieden. Vom echten Tiroler Wirtshaus, bis hin zu einem so stylischen Lokal wie der Saline heute Abend. Es ist unkompliziert.

P1000053Punkt 19:30 startet die Musik und Markus betritt das Podium, gestaltet durch ein originelles Rückelement und dem klassischen Zaubertisch. Und da steht er nun der Markus und schaut recht freundlich in´s Publikum.
Und macht erst mal nichts.
„Giast ech!“ kommt der Tiroler durch, der im benachbarten Ausland schon mal mit dem Charme seines Nordtiroler Dialektes punktet. In ruhigen Worten spricht er über sich, was er so macht und fragt einige Zuschauer woher sie kommen.
Bei seiner Geschichte wie er zur Zauberei gekommen ist, macht er sich selbst über sich lustig, macht sich nicht zum Magischen Superfuzzi, sondern bleibt ehrlich und bescheiden.
Es sind nun fast 8 Minuten vergangen. Die Leute sind gefesselt aber noch ist nichts Magisches passiert.
Markus drängt Zauberei nicht auf, sie entwickelt sich langsam, dafür aber sicher. Wo andere schon ein nichtssagenden Feuerwerk von Gags und Tricks abgeschossen haben, fesselt Markus mit seiner einfachen geraden Geschichte die ihm die Leute glauben. Es ist ehrlich wie beim Bier: „Wasser Hopfen und Malz und sonst nix!“

Markus spielt mit Geld, Gedanken und Lottozahlen, spricht P1000040von der weiten Welt, von der Geschichte eines Kochs dem es in dem Tiroler Dorf Söll zur eng wurde und nach England auszog um Zauberer zu werden.

Und dann öffnet er seinen Koffer und präsentiert seinen Weggefährten. Vorsichtig und behutsam nimmt er ihn heraus, seinen Freund, von dem er immer wie einer richtigen Person spricht. Lange Zeit meinte ich, wenn er von „Laurin Turnholzer“ sprach, dass es ein Freund von ihm ist, bis ich dann bemerkte, dass es eine Puppe war. Aber was für eine.

Laurin Turnholzer ist ein Sarntaler Haase, ein ehemaliger Varietékünstler, der in Markus Programmen die Hauptrolle spielt. Er hat eine völlig eigenständige Persönlichkeit, spricht Südtirolerisch und die Zuschauer schließen ihn in ihr Herz. Das führt dazu, dass wenn man mit Markus unterwegs ist, die Leute immer zuerst nach Laurin fragen, bevor sie Markus wahrnehmen 🙂
P1000044Die Dialoge mit Laurin sind wundervoll klar und behutsam. Laurin ist ängstlich, störrisch manchmal frech und vorlaut. Ein leises Seufzen erfüllt den Raum als Markus Laurin wieder in den Koffer steckt und es in die Pause geht. In der Pause sieht man Markus durch den Saal gehen. Von Tisch zu Tisch, wie es ein guter Hausherr macht. Begrüßt die Leute persönlich, fragt ob sie alles gut hören und sehen. Es ist kein Schmaltalk. Wenn man mit Markus spricht merkt man, dass er zuhören kann, dass er Interesse zeigt, was man erzählt. Dass er ein Gespräch nicht dazu nutzt bereits darüber nachzudenken was er selbst als nächstes sagen möchte.

Nach 30 Minuten geht es weiter. Der Saal, der technisch nicht so leicht zu bespielen ist (lange, Tische mit Zuschauern die essen etc.) freut sich sichtbar. Man kann eine Stecknadel fallen hören.

Dann kommt  auch ein Markenzeichen von Markus, das Becherspiel nach Gazzo. Wer es kennt weiss wie spektakulär es ist, wenn am Schluss 7 große Orangen und eine Melone aus dem Nichts erscheinen. Er macht es perfekt, das Publikum rings um mich ist wie P1000039erschlagen. Als Zauberkünstler ist das Becherspiel problematisch anzuschauen, vor allem wenn man die Routine kennt und man weiss was kommt. Man konzentriert sich unwillkürlich auf die Technik. Aber für das Laienpublikum ist das Becherspiel nicht umsonst ein Klassiker. Und auch ich kann diese Routine genießen und kann mich fallen lassen.

Der Boden ist aufbereitet für Teil 2 mit Laurin. Und da kann ich jedem nur den Tipp geben: Engagiert die Beiden oder besucht eine Vorstellung. Man sollte es selbst erleben, die beiden Freunde, die sich helfen, unterstützen und das Publikum unterhalten. Nicht laut und mit Effekthascherei sondern ruhig, teilweise poetisch und berührend.

Ein wundervoller Abend, ein tolles Veranstaltungskonzept.
Als ich am nächsten Tag mit Markus auf die Show von Sascha Grammel nach Salzburg fahre, haben wir Gelegenheit über seine Gedanken zur Show zu sprechen. Aber es fehlt an diesem Abend jemand, mit dem ich mich auch gerne unterhalten hätte: „Laurin Turnholzer“



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