Finale in China – Jürgen Peter berichtet (Folge 9)

Abschluss ShowJetzt haben wir es doch tatsächlich durchgezogen. Eine Woche zaubern in China. Gestern habe ich meine Show typisch österreichisch gestaltet und bin in Lederhosen aufgetreten. Das war vielleicht ein Knaller. Anschließend musste ich im ganzen Happy Valley Park Fotos mit den Besuchern machen. Die stehen total auf österreichische Folklore und natürlich auf „Langnasen“.

Heute sind noch drei Shows zu machen und dann haben wir es geschafft. Wir haben vereinbart, die letzte Show von Michael Wong auf unserer kleinen Außenbühne gemeinsam zu gestalten. Also werden neben Michael Wong auch noch JC Yeo, Bronco Pang, Li (Eden), Tom Thomson und meine Wenigkeit uns etwas Schräges für den Abschluss einfallen lassen.

Parallel dazu haben wir angefangen, unsere Siebensachen im Park einzusammeln und unseren Hasenstall (Garderobe) wieder auszuräumen. Noch ein paar Souvenirs für zu Hause organisiert sowie ein kleines „Dankeschön“ für meine Dolmetscherin, die einen Superjob gemacht hat, und ein kleines Präsent für die Dolmetscherin von Sissy und Ja-Ramay, die sich in ihrer Freizeit ebenfalls rührend um uns Zauberer gekümmert und mit uns Ausflüge nach Downtown gemacht hat.

AwardMan merkt schon, dass die Ferien in China dem Ende zugehen. Der Park ist bereits wieder so ruhig wie bei unserer Ankunft. Keine Warteschlangen bei den Attraktionen und die Restaurants sind beinahe leer. Vielleicht schaffe ich es morgen in der parkeigenen Waterworld zu relaxen, da heute noch ein paar Dinge zu erledigen sind.
Heute steht am Abend noch etwas ganz Spezielles auf dem Programm: Unsere jungen Freunde haben Tom und mich eingeladen einen typisch asiatischen Abend mit ihnen zu verbringen. Ich bin schon ganz gespannt, was uns erwartet. Jetzt noch schnell in die Marketingabteilung und schauen ob ich ein paar Fotos von der Presseabteilung sowie ihre offizielle Medieninformation bekomme.

Mein freundlichstes Lächeln aufsetzen, höflich danach bitten und dann sollte es eigentlich kein Problem sein. Es dauert dann zwar beinahe eineinhalb Stunden, aber ich bekomme alles, was ich wollte! Das heißt ordentliche Infos und Bilder für eine professionelle Nachberichterstattung. Meine Requisiten sind nach einem Security Ceck beim Ausgang jetzt auch im Hotel angekommen. Noch schnell duschen und dann beginnt unser Abenteuer mit den jungen Kollegen.

Hot Pot 2Wir werden von zwei Taxis abgeholt und fahren direkt in die Stadt in ein Restaurant namens „HAIDILAO“. Dieses Restaurant hat angeblich weltweit den besten Gäste Service. Das Haus hat sieben Tage die Woche 24 Stunden geöffnet. Um die Gäste zufrieden zu stellen, wird hier gekocht. was der Gast wünscht. Wenn etwas nicht auf der Speisekarte steht, wird es innerhalb kürzester Zeit organisiert. Wenn es eine Warteschlange gibt (die durchaus mehrere Stunden dauern kann), werden die wartenden Gäste mit Massage, Maniküre oder Pediküre verwöhnt. Es gibt keinen Ruhetag und keinen Urlaub.

Im Innern erwartet uns ein riesengroßer Restaurantbereich und superfreundliches Personal. Doch wir werden nicht an einem freien Tisch platziert, sondern direkt in ein reserviertes, kleines intimes Zimmer geführt, von denen es offensichtlich unzählige hat. Darin befindet sich nur ein Tisch für ungefähr 12 Personen. Ein riesiger zweigeteilter Suppentopf, der von unten elektrisch geheizt wird, ist mitten in der Tischplatte eingelassen. Wir sitzen noch nicht richtig, schon stehen volle Getränkegläser vor uns, welche permanent nachgefüllt werden. Jeder Raum hat praktisch einen eigenen Kellner, dem unser Wohlergehen am Herzen liegt. Unser Moderator Sam übernimmt die Aufgabe, für uns alle zu bestellen. Die Speisekarte ist ungefähr so dick wie ein dünnes Telefonbuch. Dementsprechend schwierig scheint es zu sein, die richtigen Zutaten zu finden. Mal schauen, was jetzt auf uns zukommt.

Hot PotIn den Suppentöpfen sind zwei verschiedene traditionelle Suppen. Eine normale Brühe und eine weitere nach Shezuan Art, nämlich scharf. Jetzt werden Berge an Zutaten herbeigeschleppt und einfach in diese Brühe gekippt. Das ganze erinnert mich an Fondue, nur dass die Zutaten hier etwas gewöhnungsbedürftig sind. Tom, unser Kollege aus der Schweiz, ist jetzt schon der Meinung, dass er verhungern wird. Es werden neben Pilzen, Soja und Tofu auch Salatblätter und leckere Teigtaschen in der Suppe versenkt. Auf konkrete Nachfrage, was sich denn in den Teigtaschen befindet erklärt man uns, dass es kein Teig, sondern „Magen“ ist. Aha, wieder was gelernt.

Jetzt kommt noch in Scheiben geschnittene gekochte Blutwurst dazu, andere Innereien wie Leber und Niere sowie Speckschwarten und Schinkenscheiben und chinesische Nudeln. Praktisch alles, was bestellt wurde, landet im Topf und wird von den Gästen nach kurzer Garzeit herausgefischt und verspeist.

Tom konzentriert sich auf seine Brötchen und ich mache das Beste aus der Situation und fische das heraus, was ich meinem Magen zumuten kann. Schließlich ist diese Einladung eine große Ehre. Nicht von den angebotenen Speisen zu probieren käme einem Gesichtsverlust gleich. Während Tom die wenigen vorhandenen Brötchen vor dem Zugriff asiatischer Hände verteidigt, so gut er kann, wird der nächste Höhepunkt angekündigt.

MagiciansRamen – ein chinesischer Koch – mit Handschuhen und einem Stück Nudelteig bewaffnet, macht eine sensationelle artistische Einlagen und wirbelt den Nudelteig als riesengroße Endlosschlaufe durch die Luft, tanzt unten durch und so weiter und das alles auf engstem Raum. Eine tolle Showeinlage extra für uns organisiert! Die nächste Brötchenlieferung wird gleich von Tom requiriert. Doch dieses Mal sind nicht nur knusprig braune Brötchen, sondern auch schwabbelige weiße mit dabei. Diese weißen Brötchen werden nicht gebacken sondern gedämpft. Und schon wieder was gelernt.

Zwischenzeitlich wird am Tisch gezaubert und es gibt eine Impromptu Zaubereinlage mit den „neuen“ Flash –D-Lights. Wer keines mit dabei hat, improvisiert mit seinem Handy. Bei diesem Leuchtzauber kriegt der Song „Fang das Licht“ von Karel Gott eine ganz neue Bedeutung J. Nachdem sich Sam und unsere Wettbewerbspreisträger bereit erklärt haben, die Zeche zu übernehmen, schwächeln bereits die ersten Teilnehmer des chinesischen Abends und machen sich auf den Weg ins Hotel bzw. auf den Weg nach Hause.

Close UpMir ist es vergönnt, mit dem harten Kern noch ein wenig um die Häuser zu ziehen. Angeblich soll ein weiterer Höhepunkt auf mich warten. Soso. Das Taxi bringt uns Männer zu einem wirklichen Palast. Der Name des Etablissements „Happy Place“. Aha. Die Eingangshalle ist ca. 40 x 40 Meter groß. Tapeziert mit roten Seidentapeten, schummriges Licht und die Bilder mit Kopien von den großen Meistern wie Van Gogh, Renoir, Rembrandt etc. Jetzt wird von meinen Kollegen auf das Wildeste an der Rezeption verhandelt. Eine „Krötenwanderung“ wird durchgeführt, soll heißen, ein paar Scheine wechseln den Besitzer. Dann werde ich in das Allerheiligste geführt. Direkt hinter der Rezeption gibt es einen typischen chinesischen Kiosk mit Getränken. Whiskey, Bourbon, Gin, Rum, Champagner, Weine aus aller Welt, unzählige Biersorten und natürlich Knabberzeug in Folienbeutel. Das Knabberzeug besteht aus Erdnüssen, Chips und frittierten Hühnerkrallen.

Nachdem sich die Jungs mit fester und flüssiger Nahrung eingedeckt haben, geht es weiter auf Entdeckungstour in diesem Palast der Sinne. Ein wahres Labyrinth. Unzählige Gänge und Quergänge mit weiteren Abzweigungen. In jedem Gang direkten Zugang zu den Zimmern. Hoffentlich finde ich hier jemals wieder raus. Wo befinden wir uns? Ihr habt es sicher schon vermutet. Hier erfüllen sich Männerträume: In der größten Karaoke Anlage der Stadt. Auf meiner persönlichen Werteskala immerhin eine gut gemeinte Eins. Zimmer (je nach Preis) in den unterschiedlichsten Größen, In jedem Raum (mit eigener Toilette) Lounge Möbel, Video Beamer, Tonanlage und Karaoke Computersystem mit wenigstens zwanzigtausend hinterlegten Karaoke Songs, Tanzfläche usw. Laut Fluchtplan in einem der Räume hat es weit über 120 Räume in den unterschiedlichsten Größen.

WettbewerbsgalaErfreulicherweise ist jetzt auch Danica, eine der Organisatoren zu uns gestoßen, was diese Männerrunde doch ein wenig auflockert. Jetzt lassen wir es richtig krachen. Wenigstens so lange bis die nächsten Zauberkollegen Anzeichen von Schwäche zeigen und sich auf den Sitzgarnitouren zum Schlafen hingelegt haben. Doch Sam aus Malaysia, Bronco Pang aus Hongkong, JC aus Malaysia und ich haben bis zum Schluss durchgehalten. Zwischenzeitlich ist es kurz nach vier Uhr am Morgen und wir machen uns mit einem Taxi auf dem Weg in unser Hotel. Müde aber glücklich habe ich einen tollen letzten Veranstaltungstag erlebt.



Kategorien:China - Peter Report

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