China Zauberabenteuer Jürgen Peter (Teil 4)

IMG_3459Der erste und zweite Arbeitstag ist vorbei. Jeder machte drei Shows am Tag und anschliessend hatten wir frei.

Am ersten Tag herrschte ein wenig Chaos unter den Kollegen, da kurzfristig Dinge und Auftrittsorte geändert wurden.
Ich wurde zum Bespiel 5 Minuten vor meinem Auftritt gebeten, verschiedene Dinge aus meinem Programm zu nehmen, da sie ein anderer Zauberkünstler ebenfalls im Programm hat. Kein Problem „Geldschein in Zitrone“ wurde also gekippt. Ach ja, und „Banknight“ sollte auch noch raus. Ach ja, und das Programm sollte trotzdem gleich lang sein, da die Dauer der Show vorher schon besprochen wurde … Diese kurzfristigen Änderungen betreffen natürlich nicht nur mich sondern auch die anderen Zauberkollegen. Ich musste also kurzfristig ein paar andere Dinge reinnehmen, der Übersetzerin erklären was sich ändert und sie bitten dem Techniker entsprechende Anweisung zu geben. Zum Glück setze ich mich schon länger mit der chinesischen Mentalität und der chinesischen Kultur auseinander und weiss wie man diese Dinge regeln kann ohne jemanden zu verärgern…

In Europa sind solche kurzfristigen Änderungen kein Problem doch in China laufen die Uhren anders. Jeder der Künstler hat einen persönlichen Übersetzer zugeteilt bekommen, der alleine für ihn verantwortlich ist. Entstandene Probleme mit jemand anders zu lösen ist undenkbar, da diese Person (der Dolmetscher) sein Gesicht verlieren würde. Unsere Übersetzer haben wiederum eine Person die für sie verantwortlich ist. Und dieses Spiel geht bis ganz nach oben weiter.

IMG_3439Einer unserer Zauberkollegen ist zum Beispiel überhaupt nicht glücklich mit seiner Dolmetscherin. Da diese Kommunikationsprobleme nicht sprachlicher sondern zwischenmenschlicher Natur sind, habe ich als Lösung vorgeschlagen dass die Künstler doch einfach die Übersetzer untereinander austauschen sollen. Es ist Undenkbar eine eine solche Änderung in China durchzuführen. So ein Problem welches in Europa effizient gelöst würde, löst hier in China beinahe eine Staatskrise aus. Der Übersetzer würde das Gesicht verlieren, weil er keine zufriedenstellende Arbeit abliefert, der Manager verliert das Gesicht weil er das Problem nicht auf seiner Hierarchie Ebene lösen konnte, der Vergnügungspark bzw. der Chef der Marketingabteilung würde das Gesicht verlieren weil er den falschen Dolmetscher eingesetzt hat und der Zauberkünstler verliert das Gesicht sowieso weil in diesem Land nicht offen und vor allem laut kritisiert wird, sondern alles durch die Blume gesagt wird. Hier muss man wirklich auf die feinen Töne hören. Einem schlechten Moderator würde man dies zum Beispiel nie öffentlich und direkt sagen. Man würde ihm eher höflich mitteilen, dass er in anderen Fachgebieten sicherlich auch seine Stärken hat… Wir Europäer sind gut beraten immer freundlich zu lächeln und höflich zu nicken. Wer die Fassung verliert, verliert in China nicht nur sein Gesicht sondern auch den Respekt von seinem Gegenüber. Wir lernen hier Geduld und die Dinge hinzunehmen die wir nicht ändern können.

Nach meinem ersten Bühnenauftritt habe ich meine Showzeiten an Michael Wong abgegeben und dafür zwei seiner Spielzeiten (Close UP und Streetmagic) übernommen. Michael Wong hatte nur Bühnensachen dabei, und bei mir waren Close Up Street magic Requisiten sowieso mit im Gepäck. Für uns Künstler also kein Problem uns gegenseitig zu helfen. Aber einfach wechseln geht nicht. Fragen ob ein Wechsel möglich ist geht auch nicht, da wir dadurch direkt die Arbeit des Managers kritisieren würden. Also mussten wir dieses Ding so drehen, dass der Manager vom Entertainmentpark die Möglichkeit bekommt selber darauf zu kommen und uns von seiner Seite einen Bühnenwechsel vorschlagen kann. Bei unserm Trip nach China bekommen wir eine Einleitung in die Kunst der Strategie praktisch umsonst mitgeliefert. Was für eine interessante Erfahrung.

IMG_3425Eddy Au ist seit vielen Jahren in Hongkong als Agent und Hersteller/Produzent von Zauberrequisiten tätig. Unter anderem produziert er Magicsets und DVD’s für viele internationale Zauberkünstler. Er kam gestern Abend extra von Hongkong nach Shenzen um seine langjährigen Zauberfreunde Sissy & Ja-Ramay aus Mexico zu besuchen. Am Abend hat er und seine charmante Frau, uns in ein Toprestaurant zum Essen eingeladen. Dazu muss man sagen, dass es für einen Europäer eine große Ehre bedeutet, wenn er von einem Chinesen zum Essen eingeladen wird. Seine Frau hat für alle die typischen chinesische Spezialitäten bestellt. Wir mussten natürlich alles probieren. Ich möchte jetzt nicht näher auf die Produkte eingehen, aber sie hatten alle Farben des Regenbogens und streiften alle Gebiete der chinesischen Kochkunst, (Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Algen, Geflügel uvm.) dazu waren sämtliche Geschmacksrichtungen von Süss, Sauer über Bitter bis Höllisch Scharf enthalten. Als wir gesehen haben, was da alles aufgetischt wurde, war uns klar wie wichtig Eddy und seiner Frau dieser Abend war. Wir drei Nichtchinesen haben uns wacker gehalten und das Essen auf unseren Tellern einfach mit reichlich grünem, ungesüssten Tee und Bier tapfer runtergespült. Eddy hat mir erzählt, dass er jedes Jahr in Deutschland ist, und sich immer freut wenn er Zauberer trifft. Das nächste Treffen haben wir bereits für Nürnberg vereinbart.

Heute war es noch heisser und noch feuchter. 4 Hemden in kurzer Zeit verbraucht und dreimal geduscht. Dafür drei Shows gemacht. Zusätzlich ein Interview für die Presse durchgeführt und nach dem „Pflichtwettbewerb“ als einziger Künstler sogar Aufzeichnungen für ein chinesische Broadcasting Team gemacht. Klasse, jetzt bekomme ich sogar mein eigenes „Special“ im chinesischen TV. Der Entertainmentpark ist super voll und die Besucher sind irre gut drauf. Foto Sessions nach den Auftritten sind praktisch Pflicht und die Besucher freuen sich unheimlich wenn wir uns mit ihnen fotografieren lassen. Beim Wettbewerb habe ich eine schöne Verwandlungsnummer von den ukrainischen Kollegen gesehen und Roman aus der Ukraine hat ein sensationelles Ringspiel gezeigt, wo die Ringe schweben und sich in Zeitlupe miteinander verketten. Ich muss sagen, für mich die schönste Ringspiel Routine die ich jemals gesehen habe.

Jetzt wird es langsam Abend und gegen 18:00 ist hier richtig dunkel. Wir werden noch etwas Essen gehen und wieder früh ins Hotel, da das Klima doch ganz schön schlaucht.

Mal schauen was morgen der Tag so bringt.

Hier gehts zu Teil 1, Teil2 und Teil 3 :  Link drücken

 



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