Historiker & Sammler Treffen Berlin 2014 Tag 2:

P1040312Punx ist eine Persönlichkeit, die die Zauberkunst in Theatern wesentlich beeinflusst hat. Der Künstler bereiste mit seinem Programm Deutschland. Zwei der Teilnehmer des Treffens waren noch Augenzeugen dieses sehr eigenwilligen Programms.
Clement Ilgner beleuchtet Punx und stellt Filmdokumente aber auch Originalrequisiten vor.
Ein Werbespot für 4711 wird wohl jedem in Erinnerung bleiben. Wirklich köstlich!
Das Perlenwunder (die unzerstörbare Perlenkette mit einer Perlen/Mund Routine von Claude Rix werden mit ihren Originalrequisiten vorgestellt. Punx schaffte dazu eines seiner Märchen, das wie aus einer anderen Epoche zu uns kommt.

P1040323Dass das Treffen zu Recht auch den Namen Sammlertreff hat, zeigt Peter Benninghaus, der einen Afrikanischen Künstler vorstellt, den er auf seinen Afrikareisen kennengelernt hat und der Zauberkunst aus einem außenstehenden Blickwinkel interpretiert hat. Zahlreiche bunte und sehr symbolhafte Bilder zeigen, dass Künstler ohne Zauberhintergrund Zauberei doch sehr differenziert sehen. Großartiger Vortrag, der mich auch an die laufende Ausstellung in der Galerie W in Hamburg erinnert, wo auch 3 zeitgenössische Künstler Zauberkunst aus ihrer Sicht zeigen. Bericht siehe hier.

Die nächsten Vorträge verpasse ich leider wegen eines Termins in Berlin. Marco Habermann spricht über sein Spezialgebiet Carl Willmann und sein Buchprojekt. Wizardo ist ein Künstler, den ich noch selbst erlebt habe und der in Tirol mehrfach unser Gast war. Er und sein Partner Horst Gille waren auf vielen Kongresse zu sehen. Leider habe ich den Vortrag von Jens Uwe Günzel nicht gehört. Vielleicht bekomme ich von ihm noch Unterlagen und kann einmal darüber separat schreiben.

Christian Theiß berichtet von seinen Recherchen über das Programm Boscos, das weit über das von ihm geprägte Becherspiel hinausging. Ein sehr interessanter Vortrag.

P1040361Wenn es eine Person gibt, der mit besonderer Leidenschaft das Leben eines Künstlers verfolgt hat, ist es  Magic Christian, dessen Lebenswerk wohl immer Hofzinser sein wird. Ich kann jedem nur empfehlen die mehrteilige Biographie zu kaufen, sie ist ein wichtiges Zeitdokument auch abseits der Zauberkunst.
Seine Erfahrungen über Recherche, seine in der Anfangsphase begangenen Fehler sind Grundlage dieses sehr guten Vortrags, der eine Hilfe für jeden ist, der sich dem Thema nähern möchte.

Peter Schuster spricht im letzten Referat über Samuel Belachini, dessen Grabbesuch im Jüdischen Friedhof Weißensee am Sonntag auf dem Programm steht. Es ist eine gute Vorbereitung, durch ein am Sonntag stattfindendes Radrennen klingt die Fahrt dorthin wie ein Abenteuer.

Die Diskussion: „Wie können wir uns stärker in der Zauber Community verankern wird im Anschluss diskutiert. Diesem Thema möchte ich in den nächsten Tagen einen eigenen Beitrag widmen.

Fast wird man wehmütig, wenn sich das Treffen dem Ende zuneigt und die nächsten Termine besprochen werden. Das nächste Treffen dürfte in Wien stattfinden, ich werde darüber berichten wenn der Termin feststeht.
Das nächste Europäische Historiker und Sammlertreffen ist übrigens 2015 in Paris.

P1040390Den Abschluss des Abends macht jedoch der Schriftsteller Michael Schneider. Seine Verbundenheit zur Zauberkunst beweist er, indem er sich immer wieder mit Themen der Zauberkunst auseinandersetzt.

In dieser Lesung liest er Ausschnitte aus seiner Novelle „Das Spiegelkabinett“.
Es entwickelt sich eine spannende Geschichte, die die Anwesenden fesselt. Ich möchte die Geschichte hier nicht preisgeben, man sollte sich das Vergnügen wirklich selbst gönnen.  Man kann zeitweise eine Stecknadel fallen hören. Unterbrochen wird die Lesung immer wieder durch begleitende Zauberkunststücke die gut vorgeführt werden. Sicherlich machen sie Lesungen des Autors beim Laienpublikum sehr anschaulich und attraktiv. Für mich als Insider, wären sie nicht notwendig, dieses Abenteuer im Kopf, das durch die Novelle entsteht durch „schnöde Zauberei“ zu begleiten.

P1040397Dass sich viele der Anwesenden das Buch gekauft haben, zeigt, dass man wissen möchte, wohin sich die Geschichte weiterentwickelt.
Da das dargebotene Programm auch als politisches Zauberkabarett angekündigt wird, vermisse ich diesen Aspekt. Dieser Aspekt des Künstlers zeigt sich erst, als Michael Schneider am Ende der Lesung in einem quasi zweiten kurzen Teil drei politisch gefärbte Kunststücke sehr gut vorführt.
Ein Mann mit vielen Talenten.
Programm Flyer vorab

Ein schöner Abend geht zu Ende, ein besonderer Abschluss.

P1040405Aber halt, da war doch noch der Ausklang in der Maultaschenmanufaktur, einem kleinen Lokal, das sich der Produktion der schwäbischen Nationalspeise verschrieben hat.
Bald drückt sich jeder vegetarische oder klassische Maultaschen in die Figur. Es muss geschmeckt haben, denn unsere „Schwaben“ am Tisch lästerten nicht darüber.
Dann wurde zur später Stunde noch zusammengerückt. Deutsche, Österreicher, Luxemburger und Baiern. Bald hörte man nur noch wieherndes Lachen und Menschen, die sich die Tränen aus den Augen wischten. Ich muss zugeben ich mag Witze nicht besonders, sondern bin ein Freund von Situationskomik. Aber es gibt Meister ihres Faches. Dazu gehört Dixon, der uns bestens unterhielt, indem er Situationen aufnahm und sie für sich nutzte. Nach eigenen Angaben verwendete er auf seinen Kreuzfahrten spielfreie Zeit auf See damit an die 2.500 Witze im vollen Wortlaut festzuschreiben und zu indexieren.
Es hat mich an meine erste Begegnung mit Dixon vor vielen Jahren erinnert. Es war in St. Gallen bei einem Zaubertreffen von Rico Leitner. Dixon zeigte hier ein Kartenkunststück zur Musik „Das Kartenspiel“ dargeboten von Bruce Low. Karten erschienen, bedruckten sich, wurden produziert, immer passend zu dem Lied. Es hat mich damals sehr berührt. Zudem war es von einem hohen technischen Schwierigkeitsgrad, das Dixon als echten Fachmann auswies. Als ich damals ergriffen diese Darbietung sah, ahnte ich nicht, welcher Spassvogel Dixon ist….

Ein lustiger Abend. Nach all den vielen Vorträgen einmal schön einfach nur lachen zu können ohne sich über Sinn oder Unsinn von Witzen Gedanken machen zu müssen.

So in Kürze geht es noch zum abschließenden Friedhofsbesuch des Belachini Grabes. Es klang nach langen Fußmärschen. Jüdische Friedhöfe strahlen aber so eine Ruhe und Würde aus. Für mich sind es richtige Kraftorte. Auch darüber werde ich demnächst hier berichten.



Kategorien:April 2014, Berlin, Historiker und Sammlertreff

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