Österreichischer Zauberkongress quo vadis?

3 Tage voller Zauberei sind vorbei,  3 Stunden Schlaf pro Nacht, alte Bekannte und neue Menschen getroffen, fachsimpeln und lästern.
Zurück ins normale Leben ….

Was wird in ein paar Monaten vom Erlebten übrigbleiben? Das wird wohl jeder selbst  für sich individuell entscheiden.
Für mich sind das die wichtigsten Punkte:

P1040239Danke, an alle Mitglieder des Magischen Klub Vorarlberg. Ihr habt weit mehr geboten, was ihr angekündigt habt. Es war kein kleines Zaubertreffen, es war weit mehr.
Ihr habt mit eurem Engagement einen tolle Kongress geboten.
Die folgenden Zeilen sollen diese Leistung nicht schmälern sondern ist vielmehr als Ausblick für weitere Kongresse in Österreich zu sehen.
Danke nochmals für diese wunderbaren Tage im Ländle.

 

Das von den Vorarlbergern angekündigte Kleintreffen mit Wettbewerb entpuppte sich zu einem Kongress. Mancher hatte sich zu früh Sorgen gemacht, dass der Kongress nicht  interessant sein würde. Natürlich fehlten die großen Namen  oder die Underground Künstler bei den Engagierten, aber die Qualität war sehr gut und solide.
Den teilweise demonstrativ verbreitete Slogan. Ohne Amis geht´s auch, finde ich aber nicht passend. Zauberei ist eine internationale Kunst. Andere Länder wie Amerika, Spanien, England, um nur einige zu nennen, haben hervorragende Künstler. Wir sollten es nicht zum Prinzip erklären nur im eigenen Saft zu schmoren. Das geht einige Jahre gut, aber bei dem riesigen Angebot an Kongressen ist das kein Zukunftsprojekt. Die Schweiz war einmal auf dem Weg, veranstaltet heute aber sehr gute international gutbesetzte Kongresse.

Das Kulturhaus Am Bach war ein Glücksgriff.  Ein großer Saal und ein kleinerer Saal, dazu Räumlichkeiten für die Messe und  Verpflegung. Und das noch zu finanzierbaren Kosten, wie man von Organisatorenseite hörte.
Mit der Gastronomie waren die verschiedenen Lokalitäten manchmal etwas überfordert. Die Hotellerie war schwierig und war teilweise mit längeren Fahrten verbunden. Viele waren darüber nicht amüsiert, da nützte es auch nichts, dass es bei einen geplanten Hotelbau Verzögerungen gab. Der Veranstalter machte mit einem Shutteldienst das Beste daraus.

Das Team um den veranstaltenden Klub war immer freundlich und hilfsbereit. Man spürte den Stress nicht, es funktionierte bestens.

Ein Glück hatten die Veranstalter mit den Wettbewerbsteilnehmer. Ich habe schon lange keinen so guten Wettbewerb mehr gesehen, vor allem gab es keine peinlichen Fremd-Schähm – Nummern nicht.

Wie üblich gab es nach der Preisverteilung diverse Proteste. Dazu muss ich als (auchschon) Jurymitglied sagen: In der Jury sitzen 7 Personen. In unserem Fall versierte Leute und ein Clown, der auch international erfolgreich war.
Einige der Nummern waren keine optimalen Wettbewerbsnummern. Sie wurden offensichtlich aus einem erfolgreichen Programm extrahiert. Dass dann die Wirkung nicht so stark ist wie eine auf den Wettbewerb abgestimmten Programm ist verständlich. Es gibt hier sehr gute Literatur zum Thema Wettbewerbsvorbereitungen. Man sollte dies aber auch lesen und sein Programm kritisch überprüfen und auch die Bewertungsbögen mit den diversen Vorgaben der Jury beachten. Hier werden auf Grund des Bewertungsschema Punkte verschenkt, die man später dringend benötigt
Dazu kommt, dass es eine künstlerische Leistung ist, die man nicht objektiv in Noten pressen kann. Besonders den Gesamtpreis halte ich für problematisch, werden da doch Äpfel mit Kirschen verglichen.  Meine Gedanken dazu habe ich vor fast einem Jahr hier beschrieben:   Wettbewerbe
Aber der Mensch liebt Rangordnungen, Regeln und muss sich immer messen….

Vor allem muss man die persönlichen Eitelkeiten berücksichtigen der wohl die Motivation der meisten Künstler sind, die bei so einem Wettbewerb antreten. Und wir brauchen diese Feiwilligen, die viele Stunden und Monate in Ihre Nummern investieren um uns dann gratis zu unterhalten. Ja sie zahlen sogar selbst noch einen Kongressbeitrag. Das ist auch ein Punkt, den man einmal diskutieren müsste.

Ein netter Österreich Abend zeigte, dass man auch mit geringen Mitteln ein schönes Fest machen kann. Die Integrierung von heimischen modernen Musiker fand ich sehr gelungen.
Leider haben es einige Präsidenten nicht geschafft in einer erträglichen Zeit zu bleiben. Ich verstehe nicht, dass man nicht begreift, dass es ein Juxwettbewerb ist bei dem es auf Unterhaltung ankommt. Übertriebener Ehrgeiz ist da falsch am Platz. Fehlende Disziplin sorgt dafür, dass sich ein solches Programm dann unnötig in die Länge zieht. Die Idee ist aber sehr gut und auch lustig, wenn man es nicht übertreibt. Irgendwann wird es mühsam. Vorschlag: 2 Minuten Performance die nach 2,5 Minuten mit Gong und Licht Blackout beendet wird. Das ist mehr als genug….  Die Engländer sind selbstironisch genug dies seit Jahren vorzumachen.
Die Kommentare der Magic Mushrooms waren hervorragend und sehr unterhaltsam.

Highlight war das Seminar von Gaston, das zeigte auf was es wirklich bei der Zauberkunst ankommt. Die Besprechungen finden Sie hier im Blog.

Große Überraschung war die Gala die perfekt von Gaston begleitet wurde. Ein großer Abend mit „Standing Ovations“.

Wenn man in die österreichische Kongress – Zukunft blickt kann man sagen, dass es jetzt vielleicht doch Vereine gibt, die versuchen könnten, einen Kongress zu organisieren. Noch gibt es keine Bewerbungen, aber es gibt doch Hoffnung, dass sich ein gutes Team findet.
Bedenklich aber, dass der Kongress nicht ausverkauft war. Es waren keine 350 zahlende Kongressteilnehmer da.  Das stimmt mich bedenklich, denn bei dem Preis hätte ich einen komplett ausgebuchten Kongress erwartet.

Bedenklich auch, dass man so wenig junge Leute auf dem Kongress gesehen hat.  Hier müssen wir uns Gedanken machen, dass unsere Kongresse nicht zu Pensionistenausflügen werden mit jugendlichen Pflegern.  Den durchaus auch in anderen Strukturen spürbaren Wandel können wir nicht dadurch begegnen, dass wir unsere Kongresse nicht verändern. Business as usual ist hier ein schlechtes Rezept und wird keinen Umschwung bringen. Die Leute haben nicht mehr so viel Geld, Jugendliche erst recht nicht. Wer sagt, dass man nicht festgefahrene Traditionen nicht auch überdenken kann?

Das gilt auch für den Wettbewerb. Es ist ja schön wenn fast alle einen Preis gewinnen. Aber es ist in meinen Augen auch ein falsches Zeichen nach außen.

Wir leben in einer Zeit des Umbruchs. „Das einzige Konstante im Leben ist die Veränderung“  Das gilt auch für die organisierte Zauberkunst. Manche Veränderungen kann man nur meistern, wenn man ganz von vorne zu denken beginnt. Manchmal ist das Drehen an Rädchen schlecht, denn es signalisiert Veränderung die keine ist. Der Computer wäre nicht entstanden, wenn sich die Entwickler von Schreibmaschinen nur mit der Optimierung der Korrekturtaste beschäftigt hätten.
Aber Veränderungen benötigen auch eine Menge Mut und Engagement. Das vermisse ich, wenn ich an die mühsame Suche nach einem neuen MRA-Vorstand des letzten Jahres denke schmerzlich. Ich habe einige Gespräche mit engagierten Zauberfreunden geführt. Niemand ist zufrieden, keiner will sich engagieren. Hauptsächlich darum, weil eine solche Veränderung nur in einem zusammengeschweißten Team geht.
Es ist kein Vorwurf an den bestehenden Funktionären. Es würde uns alle angehen.

Also wursteln wir weiter. Für die einen ist es nicht weiter schlimm, die Jungen werden sich anders lose organisieren. Das etablierte Vereinswesen ist ein Auslaufmodell, wenn es sich nicht anpasst.
Und danach schaut es nicht aus.
Das ist jedenfalls meine ganz ehrliche Meinung. Als positiv denkender Mensch hoffe ich, dass ich mich täusche.



Kategorien:56. Österreichischer Magierkongress, Mai 2014, Info:

3 replies

  1. Hanno schöne Berichterstattung und auch die kritischen bzw. nachdenklichen Töne sind wichtig. Ebenso muss ich Lucca zustimmen…ich war zwar bei diesem Kongress nicht, aber generell muss ich auch sagen das für viele Jugendliche der Kongressbeitrag (und zusätzlich das ganze finanzielle Drumherum) sicher ein Punkt ist, an dem man es sich zweimal überlegt hinzufahren. Auch die diversen Jugendworkshops sind nicht immer unbedingt eine günstigere Alternative…mittlerweile haben auch diese zum Teil Kongress-Niveau bzgl. der Kosten erreicht. Ich kann mich noch zu Beginn erinnern, da kostete solch ein Wochenende um die 70 Euro doch auch hier sind 100 Euro und mehr inzwischen üblich. Aber gut wahrscheinlich muss man sich immer wieder vor Augen führen das „nun mal alles im Leben irgendwie teurer wird“. Gleichzeitig braucht solch ein Kongress wahrscheinlich doch ein (internationalen) Headliner um die jungen Zauberenthusiasten anzulocken. Wenn ich das mit meiner Vorliebe für elektronische Musik vergleichen darf…ich persönlich besuche zum Beispiel dann lieber einen Club mit bekanntem Headliner in der Ankündigung für das ich auch einen weiteren Weg auf mich nehmen würde, als den No-Name DJ um die Ecke aufzusuchen. Was jedoch nicht heißen soll, dass die Auswahl der Künstler in dem Falle schlecht war – ganz im Gegenteil! Und der letzte Punkt bezieht sich ebenfalls auf das zunehmende Angebot durch das Internet: Natürlich geht dadurch heute vieles einfacher, ist günstiger, überall erreichbar und die Livestream-Sessions (Penguin Magic) haben hiermit ihre Vorteile. Ich meine welcher Kongress hat schon die Möglichkeit ein 4 Stunden Seminar in aller Ausführlichkeit abzuhalten?! Oder vielleicht liegt es doch daran, dass Veranstalter & Organisatoren auf der anderen Seite des großen Teiches uns marketingtechnisch einfach um einiges voraus sind…

  2. Absolut richtig! Auch das Internet hat sicher seinen Anteil daran, warum viele Junge nicht mehr unbedingt auf einen Kongress fahren. Jemand bzw. viele „Jemande“ müßten hier den Anfang machen und alles (!) in Frage stellen um anschließend eine völlig neue Form zu konstruieren. Organisation, Ablauf, Ort, Medien, Regeln, etc. Aber wer tut sich das an? Ein Blick in die Geschichtsbücher lehrt, daß revolutionäre Denker entweder erst nach ihrem Tod gewürdigt oder von ihrer eigenen Revolution gefressen werden. In vielen Fällen werden sie von Beginn an verpönt, geschmäht und vom Establishment unterdrückt. Vielleicht muß Altes manchmal wirklich einfach natürlich aussterben, damit anschließend auf dessen Boden etwas Neues entstehen kann.

  3. hanno vielen dank für die super informativen und sehr kurzweiligen berichte von götzis .

%d Bloggern gefällt das: