Begegnungen: Eckhard Böttcher

p1090750Jeder der einmal zu zaubern begann hat seine eigene Geschichte dazu. Für viele ist es ein Zauberkasten, ein Künstler den man im Fernsehen sieht oder ähnliches.
Der Tag an dem ich meine echte Leidenschaft für die Zauberei entwickelte hängt sehr eng mit dem Münchner Zauberkünstler Eckhard Böttcher zusammen.
Ich interessierte mich seit einige Jahren für Zauberkunst und hatte auch den Zauberbrief der Zauberzentrale München abonniert. So flatterten monatlich diese wundervollen Werbeschriften ins Haus in denen Wunder beschrieben standen, die man unbedingt kaufen sollte. Damals während der Schule war Geld knapp. Zu einem Geburtstag schenkte mir mein Vater einen Besuch in die Zauberzentrale. Ihm war nicht verborgen geblieben, wie mich diese Zauberbriefe faszinierten. Es war die Zeit, als es noch kein Internet gab, wo Wunder noch nicht so leicht zugänglich waren.
Schließlich standen wir vor einer nüchternen Wohnanlage  in der Cameloherstraße in München. Enttäuschung machte sich breit. Wo um aller Welt ist dieser Laden? Dann schließlich im Untergeschoß öffnete sich eine Wunderwelt für mich. Ein Laden mit all den Wundern, schön geordneten Regalen und voll von seltsamen Dingen. Nur nicht meine Unwissenheit demonstrieren, dachte ich und machte mich mit wissenden Blick daran mit dem großbewachsenen sympathischen Herrn zu fachsimpeln.
Ich fragte nach den Münzdosen, die von Münzen durchdrungen werden können und der Herr gab mir eine Tüte in der man 2 Messingdosen sah. Leider gaben sie keinen Hinweis auf das Geheimnis, sie schauten ganz normal aus. Was eine Okito und Boston Dose ist, wusste ich damals noch nicht. Dann kam ein anderer Kunde der einen bestimmten Trick sehen wollte.
Der Verkäufer setzte sich an einen Tisch und plötzlich erklang Musik.

Die nächsten 4 Minuten erlebte ich etwas Außergewöhnliches, das mein Verhältnis zur Zauberkunst grundlegend änderte. Der Herr – Eckhard Böttcher – führte sein Kunststück „Es beginnt mit einem Chip“ vor. Es war unglaublich, wie aus einem Chip mehre wurden, wie sie sich färbten um schließlich wieder ein Chip zu werden. Und das choreographiert zu klassischen Musik. Ein echtes Wunder, das war kein Trick das war Kunst.

Vorsichtig fragte ich nach dem Preis. Herr Böttcher, der natürlich merkte, dass ich ein blutiger Anfänger war, weigerte sich mir das Kunststück zu verkaufen. Das ist etwas, wenn du schon mehr Erfahrung hast. Fang mit den Grundlagen an.

Ich war damals enttäusch,t doch wo gibt es das heute noch, dass ein Zauberhändler sich verweigert? Nachträglich bin ich Herrn Böttcher sehr dankbar dafür. Denn es bewirkte, dass ich von da an ein Ziel vor Augen hatte. Ich wollte diese Chipsroutine vorführen können.

Nach einem Jahr hatte ich das Geld zusammen gekratzt und es war ein großer Tag, als ich die unscheinbaren Chips auspackte. Da verstand ich zum ersten Mal, dass nicht die Requisiten die Zauberei ausmachten.
Ca. 10 Monate später habe ich sie das erste Mal vorgeführt. Zu einer eigenen Musik und etwas verkürzt.  Es war jahrelang mein letzter Effekt im Close-up Programm. Und auch heute Jahrzehnte später, übe ich es noch regelmäßig und führe es zu ganz besonderen Anlässen, wenn der Rahmen passt vor.
Ich bin Eckhard Böttcher sehr dankbar, dass er mir damals die Augen für die Zauberkunst geöffnet hat, dass er mir sein Kunststück nicht einfach so verramscht hat und es dadurch so kostbar gemacht hat.
Er ist ein wunderbarer Vorführender, der mit seiner feinen Art, seine Kunststücke zelebriert. Mikromagische Kostbarkeiten nennt er seine wundervollen Requisiten und Routinen. Für viele sind sie scheinbar unmodern geworden, doch wer ihn damit erlebt wird immer verzaubert sein. Auch ich bin für meine Zauberei kein Freund von  wunderbaren Requisiten, sondern bevorzuge direkte Zauberei mit natürlichen Gegenständen. Aber hin und wieder packe ich eine dieser Kostbarkeiten aus und erzähle die Geschichte dieses Mannes dem ich damals begegnet bin. Und ich merke, dass die Menschen die Kunststücke in diesem Kontext auch wundervoll finden.
Viele der Kunststücke  und Routinen, die er in den folgenden Jahren in seinem eigenen Geschäft Zauberbutike angeboten hat, haben den Weg in mein Programm gefunden:
Vierer Ringspiel, Tuchfärbung Ei, Verdrehte Flaschen, Pikolinus, Kubusspiel, ……

Wer sich einmal einen Überblick über das Schaffen von Eckhard Böttcher machen möchte, sei das Buch

Eckhard Böttcher
Hommage an einen großen Zauberhändler
(erhältlich hier: www.zauberbutike.de)

ans Herz gelegt.
Es enthält nach einem kurzen Lebenslauf eine Aufstellung mit Abbildungen vieler seiner herausgebrachten Routinen und Effekte. Ich hätte mir ein wenig mehr persönliche Bemerkungen und Hintergründe zu seiner Person gewünscht, für Sammler und Liebhaber seiner Effekte ist es aber eine echte Bereicherung.

Ich bezweifle, dass Eckhard Böttcher diesen Beitrag jemals lesen wird, denn er ist – so denke ich jedenfalls – kein übermäßig gerne surfender Mensch im Internet. Trotzdem falls er das liest, meinen Dank an diesen Samstag in der Camerloher Straße in München vor ca. 38 Jahren, das mein Zauberleben nachhaltig und radikal beeinflusst hat.



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5 replies

  1. Hallo, und vielen Dank für diese sehr schöne und magische Geschichte. Ich habe den Link mal an Eckhard Böttcher weitergeleitet – er wird es lesen! Und vielen Dank auch für die netten Worte zum Buch. Das freut mich als Autor natürlich besonders.

  2. Und für alle, die Eckard Böttcher Fans werden wollen, Chris Wasshuber von Lybrary.com hat die Reihe „Magisches Intermezzo“ nun als downloads im Programm. Eckhards Vorführungen hier:
    http://www.lybrary.com/eckhard-boettcher-m-317947.html

    Eine herrliche Zeitreise zurück in die Zeit, als in München alles anfing!

  3. 1977 waren wir zum ersaten Mal Gäste im Magic Castle und uns war klar, dass wir auch etwas zaubern sollten. Aber was, wenn z, B. in der ersten Reihe Dai Vernon sitzt. Da habe ich mich auch für diese Routine von Eckhard entschieden. Es war ein Hammer.

  4. Da kann ich grad noch einen draufgeben – auch ich wollte nichts anderes als diese Chip-Routine, damals reichte es aber nur für „Zylinder und Chips“.
    irgendwann hatte ich sie dann aber doch – und auch ich mache sie heute noch, weil es eben die beste Routine ist, die es it Chips gibt!
    Auch (und vor allem) mein Dank an Eckhard Böttcher – er hat auch den „Alexander de Cova“ erschaffen!
    Ohne Eckhard keine ZZM; und ohne ihn ach kein AdC. DANKE, Eckhard!

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