Aus dem Bauch betrachtet …

IMG_1732Ich liebe die Kunst des Puppenspiels. Es gibt wahre Meister darin. Einer künstlichen Figur durch grandioses Spiel Leben einzuhauchen, für Momente zu vergessen lassen, dass ein Mensch diese Puppe spielt, ist eine wundervolle Kunst.

Als Kinder ist es der Kasperl der uns fasziniert. Jedes Kind kennt und liebt ihn, auch in der heutigen so technisierten Welt. Vielleicht ist das auch der Grund, warum Erwachsene oft das Puppenspiel als Kinderkram ansehen.
Schade, Sie haben vielleicht nie erleben dürfen, wenn ein Künstler spielt.

Wenn zig tausende Besucher im Marionettentheater Salzburg sich eine Mozartoper mit Puppen anschauen, wenn Nikolaus Habjan ein junger Puppenspieler  die Kindermorde in der Wiener Euthanasieklinik als beeindruckendes Puppentheater inszeniert und damit den Nestroypreis gewinnt, dann zeigt dies nicht nur die Ernsthaftigkeit dieser Kunst, sondern auch, dass sie im Stande ist Erwachsene zu begeistern.

Eine Form des Puppenspiel ist das Bauchreden. Bereits im Altertum begegnen uns die ersten Quellen. Was früher als Übernatürlich galt und oft mit Bösen im Verbindung gebracht wurde, entwickelt sich zu einer Kunstrichtung, die in in den 30-er Jahren in Varietés einen fixen Platz gewinnt.
Da man sich als Publikum nicht erklären kann, woher diese Stimme kommt, wird Bauchreden oft mit Zauberei in einem Atemzug genannt.

In der Vergangenheit wurde daher oft Bauchreden von Zauberkünstler in´s Programm genommen. Sozusagen als „Zusatztrick“. Dementsprechend konnte man dann traurige Vorführungen sehen. Es war vergleichbar mit einem Alleinunterhalter, der mal schnell einen Trick zwischen ein paar Witzen vorführt.

Denn Bauchreden ist anspruchsvoll, vereint es doch die Kunst des Puppenspiels mit der Kunst charakteristische Stimmen für seine Figuren zu entwickeln und die Technik, dabei die Lippen nicht zu bewegen und scheinbar unbeteiligt dabei zu sein.

Ich kenne wundervolle Puppenspieler, ich kenne tolle Stimmenimitatoren, und ich kenne sehr gute technische Bauchredner, die das ABC herunterflöten, ohne die Lippen zu bewegen.
Es sind aber Sternstunden, wenn man einen Künstler trifft, der diese Eigenschaften in einer Person vereint.
Eine solche Person ist der  Wiener Künstler Niki Sedlak, Künstlername Tricky Niki. Er ist plötzlich mit seiner unbekümmerten Art in der Szene aufgetaucht. Frech, unbekümmert und zeitgemäß. Manche hat er damit verwirrt, andere, die die neue Zeit des Entertainments noch nicht begriffen haben, provoziert. Viele aber positiv beeindruckt.
Aber richtig geliebt wird er vom Laienpublikum, das ihn für seiner sympathischen, authentischen Art schnell in´s Herz schließt.
Zuerst mit Zauberei, Close-up Zauberkunst, Stand-up dann aber bald mit Elementen des Taschendiebstahl und eben mit Bauchreden hat er sein Publikum unterhalten.  Kleinere regelmäßige Auftritte im Fernsehen, große Unterhaltungstouren in der Sommerzeit quer durch Österreich haben ihn hier bekannt gemacht. Er ist ja vor allem jemand, den man unter jeder Situation auf eine Bühne stellen kann und der ohne langes Fackeln losschlägt. Eine echte Rampensau.

Waren es zunächst eine Einzelnummer mit seinem Drachen Emil, entwickelte Niki ein eigenständiges Zauber/Bauchrednerprogramm, mit dem er abendfüllend spielte und durch Österreich zog.
Ich habe vor ein einhalb Jahren HIER (Link)  darüber berichtet.

Nun startet Tricky Niki mit seinem neuen Programm Partnertausch. Die Tour führt ihn durch ganz Österreich. Bereits die Vorpremieren waren alle ausverkauft. Dass er das Kabarett Simpel, das hier sehr wählerisch ist, inzwischen spielend mehrfach füllt, ist doch bemerkenswert.
Grund mir die Show anzuschauen.

Es ist Freitag der 14. März 2014 19:30 im Grazer Casineum. Die zwei Shows sind bereits länger komplett ausverkauft. Mir gelingt es noch Restkarten zu kaufen. Viele im Publikum kennen Niki von Fernsehauftritten. Eine junge Frau neben mir geht etwas gequält mit ihrer Mutter zu der Vorstellung, da sie die Karten geschenkt bekommen hat. „Kennen Sie den Künstler? Ist das schon was Gscheites?“ ist ihre zweifelnde Frage an mich?
Die Frage beantwortet Niki in den ersten 10 Minuten, wenn er mit einem Kartenkunststück und einer Zuschauerin eine der stärksten Routinen des Abends präsentiert. Das Publikum rockt, die Dame neben mir lacht Tränen, der Bann ist gebrochen.

War es in der ersten Show noch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Zauberei und Bauchreden, so hat sich das im neuen Programm massiv zu Gunsten der Bauchredekunst verschoben.  Und das ist gut so und langweilt  keine Sekunde, denn das Programm besteht nicht, wie bei Soloprogrammen von Bauchrednern leider üblich mit einer Abfolge von Figuren und Dialogen, sondern erzählt eine durchgehende klare Geschichte:
Emil die Lieblingsfigur und der freche Co-Star der Show ist nicht mehr im Programm. Er ist in Las Vegas und Tricky Niki sucht Ersatz. Zu diesem Zweck veranstaltet er eine Castingshow.
Die Bewerber werden während des Abends  präsentiert. Justin Biber der Schüchterne, die wohl einzige Puppe in einem Bauchrednerprogramm die nicht spricht, aber grandios spielt und Liebling der Frauen wird, Cleopatra die verwesende Mumie mit einer Affinität zu Dagmar Koller, ein paar Freunde aus der alten Show schauen kurz mal vorbei. Luigi und Angelina sind ein Paar geworden. Viele der Zuseher kennen offensichtlich auch das erste Programm und begrüßen die Puppen wie alte Bekannte. Eine weitere neue Figur ist eine „notgeile“ Zillertalerin, Erika,  die einen SadoMaso Salon betreibt. Als Wahlkitzbühler finde ich die Szenen wie aus dem echten Leben gegriffen.
An der Stelle sollte ich vielleicht auch sagen, dass es sich bei Partnertausch um ein Erwachsenenprogramm handelt. Wenn Sie ihre Kinder mitnehmen, machen Sie sich bitte auf interessante Fragen danach bereit.

Gefühle kommen dann auf, wenn Mathematik Genie und Nerd Julius über seine unerhörte Liebe zu einer imaginären Frau spricht. Dann lebt das Publikum mit, Gefühle kommen auf es wird menschlich.

Glanzstück ist der Kasperl, der auch einen Auftritt hat und der einmal sagen kann, was er sich schon immer gedacht hat. „Krawuzikapuzi“, da geht die Post ab. Ein Kasperl hat nach diesem Abend für jeden im Publikum eine neue Bedeutung gewonnen. Unterbrochen wird das Programm manchmal durch ein Zauberkunststück, stark wie man es gewohnt ist.

Die Show steuert der Entscheidung entgegen, wer nun das Casting gewinnt. Es endet mit einer Überraschung, die ich hier nicht verraten möchte. Hier kommt dann auch fallweise ein anderer Niki zum Vorschein. Es wird gefühlvoller, die Dialoge handeln nicht nur von einem Schlagaustausch von Gags und lustigen Dialogen, sondern auch andere Gefühle werden sichtbar. Es wird ruhiger und ich bemerke, dass das Publikum  emotionaler wird. Dies sind Momente die man auch weiterentwickeln kann, ohne in Kitsch abzugleiten. Aber sie könnte in Tricky Niki 3.0 einen noch größeren Stellenwert einnehmen.

Der Abend ist abwechslungsreich und spannend. Ca. 2,5 Stunden Programm ist lange, aber unterhaltsam. Wenn Tricky Niki dann seine Zugabe spielt, ist das Publikum wieder voll da, sein Dialog zweier Zuschauer ist sehr sehr lustig und ein weiterer Höhepunkt. Das Publikum verlangt nach Standing Ovation weitere Zugaben, aber richtigerweise ist hier Schluss, denn jetzt geht nichts mehr, was dem Abend noch hinzugefügt werden kann.
Die Zuschauer haben an diesem Abend einen der weltbesten Bauchredner gesehen. Sie wissen es nicht, denn es fehlt Ihnen den Vergleich, aber sie spüren, dass dies ein besonderer Abend war. Tricky Niki wird mit diesem Programm sicherlich große Erfolge feiern. Alle Shows waren bisher komplett ausverkauft.

Dem Publikum kann ich nur einen Rat geben:
Wenn  Sie das Programm noch nicht kennen, dann kann ich es zu 200 % empfehlen sich anzuschauen. Sie werden danach garantiert anders über Puppenspiel und Bauchreden denken.
Termine für die Show findet man HIER (Link)
V
eranstaltern kann ich nur empfehlen, schauen sie sich das Programm an. Dass sie dann den dringenden Wusch verspüren Tricky Niki sofort in ihr Haus oder Kongress  zu engagieren ist für mich gesetzt. Er ist ein Sympathie Träger und ein Publikumsliebling. Da kann man nichts falsch machen.

 



Kategorien:Info:, Review

Schlagwörter:

3 replies

  1. Super Kritik, die so ziemlich alles aussagt! Ich kann nur voll und ganz zustimmen!

  2. schade das diser mit ausnahme von 2012 noch nie in deutschland war

  3. Herrlicher Beitrag. Danke Hanno!

%d Bloggern gefällt das: