Bericht: Soloprogramm Wolfgang Moser *****

timthumb.phpIch liebe es Soloabende von Zauberkünstler zu sehen.
Anders als bei Kurzauftritten bei Galas kann hier der Künstler sich entfalten, eine Geschichte erzählen den Abend gestalten.
Hier trennt sich dann allerdings schnell die Spreu vom Weizen. Ein Abendprogramm ist mehr als eine Zusammenstellung von einzelnen Zaubernummern. Viele Künstler scheitern hier an sich selbst und an einer gewissen Selbstüberschätzung. 2 Stunden Laienzuschauer zu fesseln ist kein leichtes Unterfangen.

Einer der dies bei seinem Gastspiel im Münchner Magischen Salon von Krist & Münch mit Bravour schafft ist der Österreicher Wolfgang Moser.
In der Szene kennt man ihn als Close-up Künstler, als blendenden Seminarleiter der sich in Österreich auch in Jugendworkshops stark einbringt.
Wer aber hat ihn schon abendfüllend spielen sehen?
Grund genug nach München zu fahren. Der wunderbare Zaubersalon ist die optimale Spielwiese für ihn. Hier ist das Publikum in Greifweite, hier herrscht die intime Stimmung die er braucht um seine Wunder zu zelebrieren.
Im Plauderton führt Wolfgang Moser sein Publikum in eine Reise durch die Faszination des Staunens. Starke Effekte und spannende amüsante Erzählungen in einer informellen sympathischen Atmosphäre kennzeichnen das Programm. Wolfgang bedient sich dabei in weiten Teilen Klassiker der Zauberkunst, denen er aber seinen Stempel aufdrückt, stets auf der Suche nach der perfekten Täuschung.
Wunderbare Ideen und Präsentationen zu bekannten Effekten wechseln sich ab.
Die Übergänge fließen nahtlos in einander über.

Einige Highlights:
Die Zuckerroutine: Bensons endloses Salzerscheinen einmal in einem logischen Kontext, sehr unterhaltsam präsentiert. Man hört die Gedanken des Künstlers quasi im Hintergrund. Genial.

Münze in Flasche ist ein Klassiker. Wolfgang schenkt die Flasche mit der enthaltenen Münze dem Zuschauer. Die Flasche macht die Runde, niemand mag so recht glauben was er gesehen hat.

Paper balls over head: eine erfrischend andere Variante des Klassikers. Wo andere Künstler endlose Varianten aneinander reihen, zeigt Moser den Effekt nur ein einziges Mal. Und hier in einem sehr anschaulichen Kontext, der den Zuschauer nicht wie ein Trottel da stehen lässt, sondern dem Kunststück einen Sinn ergibt.
Nahtlos geht es in eine Handyroutine über, sehr sauber, ich staune selbst als das Handy an einem unmöglichen Ort erscheint.

Dann die Magische Bar bzw. der magische Teekessel. Steve Cohen hat das Kunststück bekannt gemacht, es wird mit seinem Namen als legendär bezeichnet.
Ich habe Steve´s und Moser´s Variante gesehen. Der Aufbau und Konzeption des Kunststücks hat mich bei Wolfgang Moser wirklich begeistert. Es zeigt, dass es sich durchaus lohnt einmal einen Effekt zu wählen, der nicht nur praktisch und kommerziell ist, sondern einer der viel Vorbereitung und Arbeit verlangt. Nur dann ist man sich sicher, dass nicht sofort jeder die Idee selbst aufgreift und nachmacht.
Die Stärke seiner Version ist auch die Beschränkung auf des Wesentliche. Die mühelose freie Wahl der Getränke sorgt beim Publikum für grenzenloses Staunen. Die kluge Platzierung vor der Pause sorgt dafür, dass die Zuschauer anschließend gleich die Getränke selbst kosten  und daran riechen können. Da ist für Gesprächsstoff gesorgt.

Es gibt viele andere wunderbare Momente an diesem Abend. Ich möchte noch den Schlusseffekt hervorheben. Der bekannte Trick Tuch in Ei präsentiert Moser nicht als Aufsitzer, sondern als eine sehr schöne Erklärung warum das Verraten eines Kunststücks nicht unbedingt ein Gewinn für den Zuschauer ist. Wie recht er da hat.

Das ist auch eine der Stärken des Programms. Wolfgang Moser geht auf Fragen ein, die dem Publikum auf der Zunge liegen, er nimmt manche Gedanken dadurch gleich den Wind aus den Segeln.
Er behandelt das Publikum auch wie Erwachsene Menschen, spricht nicht alles aus sondern lässt die Zuschauer mit- und fertig denken.

Das Publikum an diesem Abend ist bestens gelaunt. Es entwickelt sich ein lustiger Dialog zwischen Künstlern und Publikum. Der Künstler geht darauf ein, nimmt den Spielball auf und punktet durch seine unbekümmerte sympathische Art.

Wenn man bedenkt, dass Wolfgang Moser dieses Soloprogramm nicht laufend spielt ist die Leistung sehr beeindruckend. Schade dass es noch so wenige Bühnen gibt, die die notwendige Spielfläche gibt, solche Programme kommerziell zu spielen. Nicht auszudenken wenn Moser das Programm 20-30 mal spielt und es sich weiter entwickeln lässt.
Ich kann nur jedem die Empfehlung geben:
Anschauen und sich verzaubern zu lassen. Staunen kann garantiert werden.

Kontakt:
www.wolfgangmoser.com



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6 replies

  1. Dumm dass wir uns verpasst haben, Ja war wirklich sehr gut.

  2. Hab seine Show gestern gesehen. War sehr sehr gut! Vor allem das Handling der „Zuckerroutine“ hat mich begeistert.
    Absolut nichts zu sehen. Toll!

  3. ja dann waren wir ja in der selben Vorstellung….. So was 😉

  4. Diesem Bericht kann ich zu 100% zustimmen – immerhin habe ich den ganzen Abend neben Hanno gesessen 😉

  5. Danke für die tollen Veranstaltungsberichte!

  6. Danke für den tollen Beitrag. Ich kann Hanno Romberg nur zustimmen.
    Alexander Krist

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