Intermagic – Rudolf Braunmüller

IntermagicIch möchte mein Buchfund des Monats im neuen Jahr einmal einer Zeitschrift widmen, die bereits nicht mehr erscheint und jüngeren Lesern nicht bekannt ist. Vom Inhalt gehört dieses Magazin aber nach wie vor zu den Top Fundstücken für starke Zauberkunst.

Für deutschsprachige Zauberfreunde ist Rudolf Braunmüller kein Unbekannter. Als Schriftsteller des Jahres 1984/85 ausgezeichnet war er im Magischen Zirkel Deutschland an führender Position beteiligt. Er betrieb viele Jahre ein Zaubergeschäft und machte sich vor allem durch seine Publikationen in deutscher Sprache einen Namen. Er war ein gefragter Übersetzer bei Seminaren. Seine tiefe sonore Stimme habe ich noch immer im Ohr, wenn er fachkundig in knappen Sätzen Seminare übersetzte. Für Sprechzauberer waren vor allem die Übersetzungen der Werke von Roy Johnson von besonderem Interesse. Ein Seminar desselben brachte ihn auch zu uns nach Tirol.

Er brachte viele Jahre das Magazin Intermagic heraus.
Er startete mit dem ersten Jahrgang 1973, 24 Jahrgänge später beendete er sein Werk 2001. Den letzten Jahrgang brachte noch sein Freund Eckhard Böttcher heraus.
Ziel der Zeitschrift war es, die besten Kunststücke und Beiträge aus dem Englischen Sprachraum für seine Leser zu übersetzen. Auch Leute die der englischen Sprache mächtig waren, dankten es ihm, denn wer kann schon den englischen Sprachraum und alle seine Werke überblicken? Und Braumüller hatte eine gute Hand, wenn es um Kunststückauswahl ging.

Eine glückliche Hand bewies Rudolf Braunmüller auch, als er sich die Rechte an den Videos von Alexander de Cova sicherte und sie  sehr erfolgreich vermarktete. Dies zu Zeiten als die magische Videobranche noch in den Kinderschuhen steckte. Seine Kontakte zu Patrick Page waren wohl dafür verantwortlich, dass er sehr offen für das neue Medium war.

Heute ist Intermagic noch Second Hand erhältlich. Der Sic Verlag hat immer wieder Hefte bzw. alle Ausgaben im Angebot.
http://www.sic-verlag.de/shop/antiqu-literatur-dt/zeitschriften-dt/intermagic/

Ein Willkürliches Beispiel für die Qualität der Zeitung sei z.B. der Jahrgang 1978 Heft 2.

Gene Anderson – Der Freizeitprofi
einer der nützlichsten Beiträge für Teilzeitprofis. Anderson erzählt in dem ursprünglich in Genie 1977 veröffentlichten Artikel, Strategien zielgerichtet  neben seinem Beruf Zauberei professionell zu betreiben. Dieser Artikel war später auch Grundlage eines kleinen Heftchens und seiner Seminare.

Fred Lowe – Die Wahrheitsmaschine
Für Besitzer einer Geisterglocke wird hier eine sehr starke Routine von Fred Lowe aus Pallbearers Review von 1966 übersetzt.

Plumps – Harry Baron
Mehrere Münzen durchdringen einen Stahlscheibe. Ein Close-up Kunststück das leicht selbst herzustellen ist und sehr überzeugend wirkt.
Übersetzt aus Magic Info 1977)

Eric C. Lewis – Verjüngungskur
Ein Klassiker in allen Details. Die Münze/Ring in Wollknäuel. Ein Effekt den Deren Brown vor zwei Jahren in seinem Bühnenspecial mit großem Erfolg vorgeführt hat.
Übersetzt aus Abrakadabra 1968

Rot – Schwarz Fantasie  –  Harry Lorayne
Ein wunderbares Kunststück aus der Feder des renommierten Autors. Ein außergewöhnlicher Karteneffekt der aus dem Rahmen fällt und aus „Personal Secrets“ von Harry Lorraine übersetzt wurde. Er bezeichnet den Effekt selbst als „einen der besten Effekte die ich je kreiert habe“.
Ich habe das Kunststück selbst viele Jahre erfolgreich vorgeführt.

Forcieren – Will Dexter
Dem Thema Forcieren widmet sich dieses Kurzseminar und beschreibt viel Forcen und ihre Hintergründe. Es ist eine sehr systematische Herangehensweisen an die verschiedenen Prinzipien und Arten. Eine wahre Fundgrube an Prinzipien und Theorien
Übersetzt aus  „The Gen“ 1953

Mein Lieblingsseilroutine – Frank Garcia
Frank Garcia und Seile? Ja Frank verstand sich auf starke praktische Effekte. Seine Routine die 1977 in Genii erstmals publiziert wurde beinhaltet Elemente die später als innovative Neuerungen verkauft wurden. Eine wirklich sehr starke Routine wie ich aus eigener Erfahrung weiss.

Der Salz Trick – Dr. Jacob Daley
Die Salzwanderung mit raffinierten Finessen präsentiert von einer Legende. Er hat das benötigte Gimmick so adaptiert, dass die Schwachstellen eliminiert wurden. Es erzeugt eine perfekte Illusion. Wenn man bedenkt, dass es sich dabei um eine Übersetzung aus dem Jahre 1949 aus Hugards Magic Monthly handelt ist man überrascht.

Das Kapitel „Plauderstunde“ war das einzige, das sich nicht einem Trickthema widmete, sondern Informationen zu Produkten oder Seminaren und Kongresse beinhaltet. In diesem Fall bewirbt Rudolf Braunmüller  ein „Zauberweihnachtswochenende“ in Windischgarsten (Hotel Austria). Vielleicht war ja einer der Leser einmal dabei.

Beim Studium des Heftes und der dahinter liegenden Originalpublikationen ist mir wieder in Erinnerung gerufen worden, dass es vieles – was heute großspurig angekündigt wird – bereits einmal gegeben hat. Das Studium alter Publikationen und Bücher ist eine der preiswertesten Suche nach „neuen“ Effekten. Und das oft zu einem geringen Betrag, verglichen mit DVD´s die sich Themen widmen, die bereits alle da sind, eventuell mit mikroskopischen Änderungen versehen, die die Effekte meist noch schwächen.

 



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4 replies

  1. Die deutsche Fachliteratur steckte 1973 noch in den Kinderschuhen. Ich vermute mal, dass damals viele der älteren Zauberfreunde die unzähligen sehr guten englischen Fachbücher aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse nicht lesen konnten. Die deutschen Bücher konnte man damals (bis auf ganz wenige Ausnahmen) vergessen.

    Dann kam Rudolf Braunmüller mit der genialen Idee, für diese Menschen zu übersetzen.
    Er war mit der Idee und Umsetzung seiner „Intermagic“ seiner Zeit weit voraus!

    Dass er auch eine liebenswerte Tochter hat, beweist ihr Kommentar.
    Heutzutage scheint das Wort DANKE für viele Menschen ein Fremdwort zu sein. Umso erfreulicher, wenn es noch so höfliche Menschen wie die Tochter von Rudolf Braunmüller gibt!

  2. Lieber Herr Rhomberg,
    vielen Dank über die wundervollen Worte zum magische Schaffen meines Vaters. Es tut gut zu sehen, dass seine Arbeit und er als Mensch nicht total in Vergessenheit geraten. Liebe Grüße aus München! Claudia Kurth

  3. Ja das war wirklich eine Weltklassenummer, ich erinnere mich als wir dich vom Magischen Klub Vorarlberg engagiert haben. Weiss nicht mehr genau ob es bei einem der Bälle der Magie war oder bei einem Kongress. Jedenfalls war das einfach super. Kann mich auch an den von dir angesprochenen Artikel erinnern der in der Intermagic stand.

  4. Ich verdanke der „Intermagic“ meine Chapeaugrafie Darbietung. Die Intermagic ist es wert hier so gleobt zu werden.

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