Kochen und Zauberei – was sie verbindet

_DSC6314Nein, ich schreibe hier nicht über einen meiner Lieblingsperformer Frank Garcia, der seinen Büchern stets ein Rezept beifügte, sondern möchte einmal über Skripts in der Zauberkunst sprechen.

Ich habe vor 2 Jahr begonnen, meine Zauberei konsequent zu skripten, das heißt den Text zu erstellen und mich nicht mehr darauf verlassen, dass mir das richtige einfällt. Natürlich habe ich dies auch bisher gemacht. Aber oft nicht mit der nötigen Konsequenz, mit den nötigen Mitteln. In der Praxis verfällt man sehr gerne darauf sich auf seine Intuition zu verlassen.

Da ich beruflich  viele Präsentationen mache, denke ich dass Sprechen eine meiner Stärken ist. Bei Zauberroutinen, die man sehr oft vorführt, denkt man dann, dass man dies ohnedies gut macht. Es fällt einem nur bei den anderen auf, wie holprig manche Routinen herüber kommen, wie viele Füllworte sie enthalten, dass zu viel gesprochen wird. Dass man selbst auch geneigt ist, diese Fehler zu machen merkt man spätestens dann, wenn man einmal ein Video mitlaufen lässt oder auch eine Tonaufnahme. Am liebsten würde man dann die Aufnahme nicht fertig anschauen, so geschockt ist man.

Alexander de Cova hat in seinem New Avantgarde Magic  im vergangenen Jahr einmal über dieses Thema geschrieben und die Autoren Software Celtix empfohlen. Nun egal ob man solche Hilfsmittel verwendet oder es einfach mit Schreibblock oder digital in Word oder Excel verwirklicht, es war für mich Anlass einmal meine Standardprogramme genauer unter die Lupe zu nehmen und sie zu skripten.

Allein der Umstand, einmal ein Skript zu erstellen macht noch keine bessere Vorstellung. Es geht darum, dass sich das Skript entwickelt, abschleift, reduziert bis es schließlich die Essenz von dem enthält, was man kommunizieren möchte.

Es ist am besten vergleichbar mit einer Sauce.

Die Hobbyköche unter uns werden mir beipflichten, dass es schwierig ist, eine gute Sauce herzustellen.

Ich spreche dabei nicht von einer Mehlpampe. Das wäre vergleichbar mit einem langweiligen langatmigen Vortrag.

Oder einer dünnen mit Wasser gestreckten Sauce die an einen Zaubervortrag erinnert der so vor sich hinplätschert und keine Emotionen erzeugt.

Oder die Tomatensauce, die das Hauptgericht nicht unterstützt sondern nebenher läuft. Auch diese Form des Vortrags kennen wir. Es sind die Vorträge die die Zauberei nicht unterstützen, sondern an den Haaren herbeigezogen sind.

Es gibt aber auch die Saucen, die in stundenlanger Arbeit reduziert wurden um am Ende die Essenz der Speise zu verkörpern. Wie bei einer perfekten Sauce, die mehr ist als ein Beiwerk.

Solche Skripten brauchen Zeit, wachsen und werden immer besser. Sie leben auch und entwickeln sich ständig weiter, denn mit der Zeit kennen wir die Reaktionen des Publikums und wissen wo und welche Reaktionen kommen. Wir können diese  berücksichtigen und fix in das Skript einbauen, wir können an Stellen die Abflachen auch das Skript dramatisieren oder weiter kürzen.

Genug philosophiert, darüber gibt es viel Literatur, die ich in einem Schwerpunkt noch im Jänner hier besprechen werde.

Wer meint, dass dies alte Kamellen sind, möchte ich zu bedenken geben, dass die Realität, auch unter Profis leider aus meiner Erfahrung oft auch anders aussieht. Es scheint eine der größeren Selbsttäuschungen der Zauberkünstler zu sein, dass sie spontan die besten Texte ad hoc parat haben. Wenn Sie einen kleinen Selbsttest machen wollen, dann schauen Sie ob sie ein fertiges Skript bzw. schriftlichen Leitfaden sofort griffbereit haben. Nein? Dann lesen Sie weiter.

Schaut euch einmal die Top Comedians an: Mario Barth und Co. haben alle fixe Skripten und Textbausteine. Oder auch die scheinbar so spontan vorgetragenen Texte sehr guter Sprechzauberer.

Hier kommt eine andere Herausforderung auf uns zu.
Wie bringen wir die vorbereiteten Texte so, dass sie der Zuschauer spontan und natürlich empfindet?  

Ich helfe mir damit, dass ich das Skript in Karteikarten auflöse und sie am Schluss nur noch Stichwortartig vor mir habe. Das hilft mir persönlich, mich nicht an einen genauen Text halten zu müssen. Ebenso kann man bestimmte Bausteine vorbereiten, die bei gewissen Reaktionen des Publikums genau „sozusagen spontan“ passen. Übung macht hier eben den Meister.

Es geht schon längst nicht mehr darum neue Routinen zu lernen. Wer sehr lange in der Szene ist und viele Auftritt hat ohnedies genügend „Tricks“.

Aber hier sollten wir von den Besten lernen. Schaut einmal selbst welche Kunststücke erfahrene Zauberkünstler vor Laien vorführen. Es ist ein Programm von max. 10 Kunststücke, die sich über die Jahre verfeinern und perfektionieren. (eben weil sie so oft vorgeführt werden). Vergesst die Zauberer für Zauberer, die ständig neue? Effekte vorführen da sie sie an uns verkaufen wollen. Diese sind gezwungen immer neue Sache auszugraben. Aber stehen Sie vor Publikum dann zeigen sie ihr über Jahre bewährtes Programm. Ein Beispiel ist Michael Ammar. Gummiringe, Ehrgeizige Karte, Becherspiel, Geldschein in Zitrone, ……. Das sind seit Jahrzehnten seine „Worker“ für Laien.

Ich wünsche allen Zauberfreunden ein gutes Neues Jahr. Danke das so viele diesen Blog begleiten. Ich wünsche euch vor allem Gesundheit für Euch und eure Freunde und Familie. Jeder Augenblick kann unser Leben dramatisch verändern.
Alles andere ist daher oft unwichtig und klein.

Prosit Neujahr

Hanno



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