Nervige Selbstdarstellung Facebook

großmaul2Was waren das für Zeiten als es noch kein Facebook gab, keine Blogs, keine Foren? Es mutet seltsam an, wenn man sich darüber gerade in einem Blog lustig macht. Da dieser Blog aber weniger der Selbstdarstellung dient, sondern Berichte aus der weiten Welt der Zauberkunst, erlaube ich mir doch ein paar kritische Gedanken darüber zu machen, was ich gerade auf Facebook erlebe.

Früher war es so, dass wenn man etwas über das Programm eines Kollegen wissen wollte man zwei Optionen hatte. Man ging selbst zu einer Vorstellung und bildete sich ein Urteil oder man las eine Kritik in einer Zeitung oder Zauberzeitschrift. Die war zwar meist schöngefärbt, aber immerhin konnte man sich ein Bild machen.

Heute ist das Gott sei Dank nicht mehr der Fall. Facebook sei Dank! Warum warten was andere schreiben, wenn man doch selbst am besten weiss wie gut man ist.

Man kann selbst begeistert über seine Auftritte sein, selbst schreiben wie toll man war, wie viel Leute einem gesehen haben, wie viele sprachlos waren, oder sich halb tot gelacht haben. Man kann Seitenhiebe auf Kollegen loswerden, mit der Anzahl seiner Auftritte prassen, den Neid schüren.
Denn in den meisten Fällen werden diese Selbstdarstellungen ja von den Kollegen gelesen mit denen man 100-fach befreundet ist.

Die Naiven sind neidverfressen, der Rest macht sich darüber im Freundeskreis lustig, die wirklich erfolgreichen genießen und schweigen.
Manche holen ja auch zum Gegenschlag aus. Ich kenne einige Kollegen, die TÄGLICH sich den Spass machen und die Googleanzeigen der Kollegen anklicken um Kosten zu generieren. Wie schräg ist das?

Das soll nicht bedeuten dass man Facebook und Co nicht auch für Promotions für seine Kunden fahren kann. Aber was man da  zeitweise an Selbstbeweihräucherung antrifft ist schon peinlich.  Ankündigungen sind ok, vielleicht auch noch das Initieren von Zuschauer posting, aber sich selbst unwiderstehlich zu finden und dann noch zu posten?

Ähnlich ist das zur Schau stellen von Routinen und Griffe in selbst verpfuschten Videoclips auf Youtube. Was für einen Sinn hat das denn? Meist sehr amateurhaft und mangelhaft vorgeführte Effekte und Griffe. Wozu bitte?
Gibt es keine realen Menschen mehr, denen man damit auf die Nerven gehen kann? Das Netz ist geduldig.

Inzwischen hab ich mir das zu Nutze gemacht.  Wenn ich ein neues Kunststück bei einem Händler sehe. Warte ich 1-2 Wochen und suche dann auf Youtube. Dann erscheinen dort die ersten traurigen Selbstdarstellungen, die gleich auch die Lösung durch schlechte Vorführung liefern. Praktisch aber nicht wirklich gut für die Zauberkunst.

So gesehen kann man sich wieder manche Ausartung zu Nutzen machen.
Und jeder macht sich selbst zum Trottel.

Foto dankenswerter Weise von Herrn Peter Schwarz zur Verfügung gestellt.
Hier gehts zu seiner Homepage mit wunderbaren Naturfotografien
http://www.peter-schwarz.de



Kategorien:Meinung

8 replies

  1. Danke Frank für den guten Beitrag. SEO ist mir klar, aber ich habe mich eigentlich auf die unglaubliche Selbstpromotion berufen, mit der manche Zauberer Facebook bombardieren. Jeder „Furz“ wird zum Event hochstilisiert, statt Zuschauermeinungen beurteilt man gleich selbst seine Leistung, etc. Man macht sich dadurch einfach auch lächerlich. Besonders Seitenhiebe gegenüber Kollegen sind unnötig, aber an der Tagesordnung. Aber du hast recht, online ist eine sehr wichtige Komponente in der Werbung für Zauberkünstler, vor allem aber auch eine die man sich – vorausgesetzt ein wenig Fortbildung – günstig machen kann.

  2. Gerade erst diesen Beitrag gelesen.
    Schön ist das sicher nicht aber nötig! Das Internet wird den Markt verändern!

    Suchmaschinenpositionen werden für Künstler, die Familienfeste und kleine Firmen bedienen immer wichtiger. Durch die regionale Suche der Kunden im Internet, versuchen immer mehr Zauberer in allen Städten ihrer Region eine hohe Suchmaschinenposition zu bekommen.

    Die Zauberformel lautet SEO und wird von einigen sehr gut betrieben. Teilweise präsentieren sich die Künstler auf hundert Webseiten mit unterschiedlichen Städtenahmen und die Einbindung von Videos und Links zu sozialen Netzwerken erhöht die Relevanz der eigenen Seite.

    Besonders Einträge bei Wikipedia sind bei den Suchmaschinen beliebt.

    Kritisch ist das sicherlich aber auch nicht vermeidbar, wenn Künstler ihre Aufträge über das Internet bekommen.

    Schon eine Suche bei google nach „Zauberer NRW“ mit Städtenamen zeigt, wie hart im Internet an Positionen gearbeitet wird.

    Ich habe selbst an meiner Webseite schrauben müssen, weil ich in meiner Heimatstadt als Zauberer nicht mehr zu finden war, da Kollegen von außerhalb ihre Webseite auf „Zauberer in Mönchengladbach“ optimiert hatten.

  3. … und gleiches gilt fuer Wikipedia, wo Zauberer entweder selber ihren eigenen Eintrag schreiben- oder dies von Freunden machen lassen. Und dabei auch nur jeden kritischen Anklang, der ja Bestandteil eines Lexikons sein muss, vermeiden und zu verhindern suchen…

    • Da in Wikipedia Otto Normalverwender der Eindruck vermittelt wird, dass es ein übergeordnetes neutrales Wissensmedium ist, ist es noch viel hinterhältiger, wenn hier „Meinung gemacht wird“. Habe schon mehrfach versucht, gewisse Dinge dort richtig zu stellen, bzw. Zu ergänzen, leider verschwanden Beiträge dann rasch wieder. Die Mechanismen dahinter sind mir leider verborgen geblieben. Jedenfalls steht in Wikipedia jede Menge Mist, nicht nur zur Zauberkunst.

      • Aber der Gipfel ist, wenn Zauberer unter Tarnnamen ihren eigenen Beitrag schreiben, und dann spaeter an anderer Stelle, wenn es um Fotorechte geht, zugeben dass sie das Foto mit Selbstausloeser gemacht haetten, und sich damit als Selbst-Beschreiber outen!!!

  4. …einfach genial Hanno, ob sich manche Selbstbeweihräucher hier wiedererkennen. 🙂

  5. Lieber Hanno,

    wie wahre Worte du hier wieder gefunden hast! Ich denke mir, da werden sich wohl einige angesprochen fühlen.;-)

    Also dann, ich muss nun noch posten wo ich überall am auftreten bin. 😉

    Liebe Grüße, Robert

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