Die Finger sind fertig – Abschiedsvorstellung in München

FingerDie Fertigen Finger verabschieden sich mit Ihrer Show „Sag niemals nie“ vom Publikum. Ihre Erfolgsshow wollen Sie nicht mehr spielen, aber wie schon der Titel sagt, darf auch daran gezweifelt werden.

Das Rezept: Man nehme eine Hand voll der besten deutschen Zauberkünstler, mische sie zusammen, subtrahiere das individuelle Ego und stelle Sie in den Dienst des Teams. Daraus entsteht eine wunderbare Mischung aus Wunder, Comedy und Betroffenheit.

Es muss ein harter Kampf gewesen sein, diese Individualkünstler dazu zu bringen, sich auf teilweise kleine Nebenrollen zu beschränkten, ihre Kollegen in den Scheinwerferkegel zu stellen und kompromisslos eine Geschichte zu erzählen.
Jeder der Anwesenden könnte wohl einen eigenen Abend selbst gestalten. Aber gerade die Konzentration auf das Gemeinsame auf die stärksten Effekte macht die Qualität des Abends aus. Dass der Weg dorthin sehr beschwerlich ist, kann jeder nachvollziehen, der einmal einen Zauberabend im Zirkel organisiert hat. Viele möchten im Mittelpunkt stehen, ihr bestes und weniger bestes Material zeigen und sich weniger an Zeitlimits zu halten.  Dementsprechend schaut dann so ein Abend eben aus – Bezirksliga.

Zurück zur Championsliga.
Die (diesmal 9) fertigen Finger erzählen die Geschichte eine Show zu spielen, die in Las Vegas Erfolge feiern wird. Helge Thun führt durch den Abend begleitet uns durch diese Geschichte, die von Anfang an für ihn eine Illusion ist. Die Charaktere sind teilweise weggerückt, wähnen sich bereits in der Glückspielsmetropole. Manuel Muerte  „Las Vegas“ zeigt eine Kurzversion seiner grotesken Persiflage auf den alternden Varieté Künstler. Thomas Fraps, als Wissenschaftler zeigt wunderbar, wie Täuschungen in unserem Kopf entstehen, Jörg Alexander dirigiert für diesen Abend schon beispielhafte Teamwork in Gedankenlesen als „Mentaldirigent“. Den kleinen Heinz, haben wir über die Jahre längst in unser Herz geschlossen. Er ist längst Subjekt so mancher „feuchten Nacht“ seiner Verehrerinnen (Lachtränenfeucht…).
Jörg Willich spielt den zerstreuten Zauberkollegen, der darauf brennt endlich auf die Bretter die die Welt bedeuten zu drängen. Ben Profane den coolen Zocker, Steffen Kirschbaum sehen wir unter anderem als eleganter Manipulator.

Je später der Abend – desto mehr entgleist die Handlung, macht sich Depression und Verzweiflung breit. Wird man es noch schaffen nach Las Vegas zu kommen? Höhepunkt dieses Tiefs ist die brillante Szene aus der kollektiven Selbsthilfegruppe für Zauberer. Die großartige FISM Nummer von Gaston ist eingebettet in einen Kreis von Gleichgesinnter. Wie mag diese Szene auf Laien wirken? Dem Applaus und dem Lachen nach sehr gut. Aber die Betroffenheit die diese Szene bei uns Trixern auslöst, werden Sie wohl nicht zu spüren bekommen…..

Ja wenn da nicht der Groupie  Gisbert wäre, der die Künstler über Jahre begleitet, ihnen nachreist, in der Show sitzt und stört und nervt, wäre der Traum von Las Vegas wohl geplatzt. Er schafft es, eine Illusion zu schaffen, die den Weg nach Las Vegas finden könnte.

Ein wunderbarer Abend, geistreich, lustig und voll starker Magie. Ohne große Kisten und aufwendigen Requisiten. Die Künstler stehen im Mittelpunkt, überzeugen mit ihrem Können. Man darf neugierig sein, ob sich die Finger verlaufen oder ob es doch wieder Projekte geben wird.  Neben einem überzeugenden Theaterabend imponiert mir, dass man bei allen Fingern die unbändige Lust und den Respekt für die Zauberkunst spürt. Dieser Funke ist herübergesprungen.

Das Prinzregententheater war fast ausverkauft. Wenn man bedenkt dass am selben Abend im Kronebau die „Illusionists“ zu sehen waren – ein großer Erfolg.
Über die Illusionists habe ich (HIER) bereits berichtet.



Kategorien:Review

Schlagwörter: , , , , , , , ,

1 reply

%d Bloggern gefällt das: