FAZIT: 5. European Magic History Conference – Hamburg 2013

shapeimage_3Drei Tage lang haben sich 90 Historisch interessierte Zauberfreunde aus aller Welt in Hamburg getroffen, um mehr über die Wurzeln unserer Kunst zu erfahren und ihr Wissen mit anderen zu teilen.

Über 20 teilweise sehr anspruchsvolle und interessante Vorträge beleuchteten viele Aspekte der Zauberkunst im zeitlichen Kontext.

Wir leben der Gegenwart und so war es gut, durch die Einbindung der 3. Hamburger Zauberwochen, zeitgenössische Zauberkunst in dieses Treffen einzubauen. Drei Abende standen aktuelle erfolgreiche Künstler mit ihren abendfüllenden Programmen auf der Bühne und gaben einen Eindruck, wie Zauberei heute ausschauen muss.

Hier meine persönlichen Highlights und ein paar kritischere Gedanken.

1 – Die Organisation dieses Treffen war sehr gut, drängte sich nicht in den Vordergrund, aber alles funktionierte wie am Schnürchen. Susanne und Wittus Witt verstanden es ein hochkarätiges Treffen zu organisieren, bei dem auch die Rahmenbedingungen gut funktionierten.

Wer schon einmal ein größeres Treffen organisiert hat, weiss wie viel Arbeit hinter den Kulissen passiert. Wittus Witt überraschte die Teilnehmer immer wieder mit zusätzlichen Geschenken die nicht notwendig gewesen wären, aber jeden gefreut haben. Man merkt wenn jemand mit dem Herzen dabei ist.

2 – Die Besichtigung des Hansatheaters:
Es ist schön so geschichtsträchtige Orte in ein Treffen einzubeziehen. Einige der Künstler, über die in diesen Tagen gesprochen wurden, sind hier gestanden. Dass bei diesem Varieté die Zeit stehengeblieben ist, brachte einen besonderen Reiz.

3 – Die Integration der Hamburger Zaubernächte in das Programm brachte frischen Wind in die oft etwas angestaubte Materie. Immerhin ist Zauberkunst etwas Lebendiges, was sich bewegt und ständig verändert. Dem trug Wittus Witt durch die Auswahl der Künstler Rechnung. Es war kein gefälliges Programm, sondern abwechslungsreiche zeitgemäße magische Unterhaltung, bei der die Meinungen auch auseinander gingen. Das ist gut so.

4 – Die Vorträge waren vielfältig und abwechslungsreich. Wichtig ist, dass man auch Themen in das Programm einbaut, die die Geschichte mit der Gegenwart verknüpft und konfrontiert. So war der Vortrag von Thomas Fraps über neue Erkenntnisse aus der Gehirnforschung oder der Vortrag von Michael Colley, der eine Untersuchung machte, wie sich die Wettberbsnummern beim Young Magic Competition des Magic Circle London  in den letzten 52 Jahren verändert haben (Evolution – Revolution – oder Stillstand) sehr interessant.  Oder die Geschichte von Fergus Roy für 50 Tonnen von historischem Material eine zeitgemäße Präsentation zu finden.

Außergewöhnlich der Vortrag über den Ursprung des Kaninchens als Zauberassistent. Eine spannende und gut dokumentierte Untersuchung von Paul Freeman aus England.
Oder Bill Spooner, der über den Zauberstab als magisches Hilfsmittel sprach. Er muss es wissen denn er hat eine Sammlung von über 1.000 Zauberstäben, die die unmöglichsten Wunder vollbringen. Ich hätte nicht geglaubt so wenig über den Zaubertab  zu wissen.

5 – Die Verleihung des Hofzinser Gedächnisring an Frascatelli und Signora Tre Face fand in dem Treffen im Spiegelsaal einen würdigen Rahmen.

Was für Anregungen habe ich für die Zukunft?

1 – Ich würde mir wünschen, dass auch mehr jüngere Zauberbegeisterte den Weg zu so einem Kongress finden würde. Wenn man mit 55 zu den jüngeren gehört, gibt das zu denken.

2 – Zwanzig Powerpointpräsentationen nerven auch Freaks wie mich!  Es ist nicht jedermanns Sache gut präsentieren zu können. Aber vor allem wäre es auch schön, gewisse Requisiten live auf so einem Kongress zu sehen. Ein Film oder eine Fotopräsentation kann nicht eine Live Vorführung ersetzten.  Es gäbe viele Möglichkeiten greifbare Präsentationen zu gestalten.
Im Ansatz sah man beispielsweise Originalrequisiten von Marvelli. Oder man Besichtigte die Wenger Ausstellung in der Gallerie W.

3 – Das Wesen der Zauberkunst ist die Präsentation. Wir erinnern uns gerne an Momente wo wir staunen konnten. Dieses Staunen geht auf diesem Kongress etwas verloren. Vorträge aufgelockert durch die Rekonstruktion historischer Präsentationen von Zauberkunst könnte so ein Treffen bereichern. Es darf nicht verpönt sein zu zaubern.

Wenn sich Zauberinteressierte wieder in 2 Jahren in Paris treffen, warten wieder unglaubliche Dinge die es zu entdecken gibt. Wer sich dafür interessiert braucht keine Scheu haben. Es reicht sich dafür zu interessieren, man muss kein großer Sammler sein.

Wer durch diese Berichte Lust auf mehr Infos, oder gar diverse Unterlagen bekommen hat, die es im Rahmen des Kongresses für Teilnehmer gab, der kann hier fündig werden. Bemerkenswert die Fächerkarten oder Programmhefte von Marvelli.

Link:  http://www.european-magic-history.com/Memories.html

Hier noch ein Rückschau auf 5 Kongresse für Magische Geschichte:
http://www.youtube.com/watch?v=bhwV2C4zbNo&feature=youtu.be



Kategorien:5. European Magic History Conference, August 2013

1 reply

  1. Sehr gute Informationen. Danke

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