Alexander Adrion – Magische Kammerkunst

AdrionEiner der Großen unserer Zauberkunst ist Ende Februar mit fast 90 Jahren gestorben. Von vielen vergessen, andere haben ihn nie gekannt.

Alexander Adrion war ein ganz besonderer Künstler, der nicht unbedingt die Gesellschaft anderer Zauberkünstler suchte. Er warPhilosoph und sein reduziertes Programm nannte er auch Kammerspiel des Seins. Mit wenigen Requisiten verstand er sein Publikum ohne Klamauk bestens zu unterhalten.

Adrion trat  nicht in Vanietés oder Nachtklubs auf sondern zauberte vor allem in geschlossenen Gesellschaften vor sechs bis höchstens 500 Gästen — bei Kongressen, Tagungen, Vernissagen und Betriebsfesten, auf Auslandstourneen des Goethe-Instituts oder auch in privater Runde bei Ministern und Professoren.

Noch lieber freilich zog er wie die alten Gaukler mit dem Rucksack durch Griechenland, Spanien, Schottland oder die Provence, ließ in einer Liverpooler Textilfabrik Fingerhüte und in einem schweizerischen Personenzug Fahrkarten verschwinden oder zauberte mit seinem alten Freund, dem Straßenmagier Mohammed Bin Ahmed Bin Ah, in Marrakesch. In der Tradition der Gaukler verstand er es mit Fingerfertigkeit, Psychologie und einem geschliffenen Vortrag das Publikum auf hohem Niveau zu unterhalten.

Neben seiner Zauberei schreibt Alexander Adrion erfolgreiche Bücher:

In „Zauberei, Zauberei“ schreibt Alexander inspiriert durch seinen Freund Heinrich Böll über die Welt des Scheins. Es ist eines meiner Lieblingsbücher, das ich immer wieder gerne zur Hand nehme.

Es folgen die sehr schön verlegten Bücher: Zaubereien oder das Spiel mit dem Sein, Das Zauberkabinett, Die Kunst zu Zaubern, ein Buch über das Metier der Taschendiebe und eine Biographie über Robert Houdin. Viele seine Bücher sind in andere Sprachen übersetzt worden. Meine persönliche Beziehung begann über seine Bücher, bis zu einer Begegnung mit ihm, die mich sehr beeindruckt hat.

Sehr interessant ist das Interview, das Heinrich Böll mit ihm über das Wesen der Zauberkunst geführt hat. Es charakterisiert vielleicht am Besten den Zauberkünstler Alexander Adrion.

Wer die Bücher nicht besitzt kann hier im Internet auf ein paar Seiten einen guten Eindruck von diesem einmaligen Künstler bekommen.

Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Adrion


H
einrich Böll im Gespräch mit  Adrion (Artikel aus der Zeit): http://www.zeit.de/1967/40/nur-der-schein-truegt-nicht/seite-1



Kategorien:Portrait

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3 replies

  1. Alexander Adrion sprach mich mal vor ca. 25 Jahren nach meiner Show an und machte mir ein freundliches Kompliment bzgl. meiner Darbietung. Ich erkannte ihn nicht, bedankte mich höflich und wollte weiter meine Sachen einpacken. Plötzlich zeigte er mir unerwartet ein verblüffendes Kunststück. Zunächst dachte ich, ach, wieder einer von denen, die sich profilieren wollen. Aber an der Art und Perfektion des Gezeigten spürte ich, dass er ein Könner war und wohl ein Profi sein musste. Ich schaute mir sein Gesicht intensiver an und da wusste ich, welcher großartige Künstler vor mir stand.

    Er sagte, dass er in ein Restaurant gehen und sich freuen würde, wenn ich ihn begleite und er mich zum Essen einladen dürfte. Leider hatten mich meine Shows an diesem Tag ziemlich beansprucht, weshalb ich ziemlich müde war. Deshalb lehnte ich dankend ab. Wie dumm von mir. Denn mit einem so gebildeten Menschen und großartigem Künstler zusammen zu speisen und dabei vielleicht etwas aus seinem beeindruckendem Leben zu erfahren, wäre wohl sehr interessant gewesen.

    Als ich einige Jahre später diese Begegnung in der deutschen Fachzeitschrift „Magische Welt“ schilderte, rief mich Alexander Adrion danach an und lud mich wiederholt zum Essen ein. Dieses Mal nahm ich seine Einladung begeistert an. Es war ein wundervoller Abend mit einer Persönlichkeit, die in der Tat vieles zu erzählen hatte.

    Ich werde diesen Abend niemals vergessen.

  2. Danke für die Ergänzung!

  3. Der Satz „In “Zauberei, Zauberei” schreibt Alexander inspiriert durch seinen Freund Heinrich Böll über die Welt des Scheins.“ ist leicht irreführend. Die ersten 41 Seiten des Buches sind eine Gespräch zwischen Heinrich Böll und Adrion, welches urspünglich für „Die Zeit“ geführt wurde. Aus der Sicht des interessierten und belesenen Zuschauers, stellt er die Fragen, die jeder Zuschauer hat. Die übrigen ca. 110 Seiten sind ein Einblick in Geschichte der Zauberkunst, ein unterhaltsame, anektodenreicher Blick „hinter“ die Kulissen, mit vielen auch heute kaum bekannten Fotos.
    Bedeutend erscheint mir noch, dass er mit anerkannten Künstlern wie bspl. Karlheinz Stockhausen etc. zusammengearbeitet hat.

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