Argentinien – der Stoff aus dem die Träume sind

EvansArgentinien, durch die Papstwahl aktuell in den Fokus des Interesse gerückt, hat eine lange Geschichte der Zauberkunst. Vertreter dieses Landes sind bekannte Namen. Fantasio, Rene Lavand, Brando und Silvana, Tango und natürlich auch Henry Evans, um nur einige zu nennen.

Letzerer war aktuell auf Europatournee, Anlass sein Seminar bei Krist & Münch in München anzusehen. anzusehen. Das Theater ist gut besucht, wir sind aus Tirol vom Magischen Zirkel zu fünft angereist, immerhin über 4 Stunden Fahrzeit hin und retour. Da hat man auch das Recht kritisch zu sein. Hier der schonungslose Bericht.

Seminare sind ja so eine Sache. In einem Zauberforum wurde jüngst darüber diskutiert, ob man sich Seminare überhaupt anschauen sollte. Schade um die Zeit, denn in der Zeit könnte man sehr viel für das eigene Programm tun. Ich kann das nicht teilen. Zauberseminare (die guten) sind eine große Bereicherung. Man lernt Künstler kennen, die Ihre Gedanken ihre Philosophie zu einem Spottpreis mit Zauberfreunden teilen. Die Vielfalt der Meinungen ist für mich eine Bereicherung. Es ist interessant zu sehen, wie unterschiedliche Künstler die Problemstellungen anders angehen.

Herny Evans ist kein Unbekannter. Bereits mit 15 tourte er durch Südamerika, mit 20 Jahren gehörte er bereits zu den bekanntesten Zauberkünsten seines Landes. Er war Fism Preisträger in der Sparte Kartenzauberei und ist als Händler und Seminarleiter seit der Zeit ein bekannter Künstler unter Zauberer. Dass sein Tätigkeitsfeld in erster Linie aber Laienpublikum ist, merkt man an seiner Zauberkunst.

Persönlich hatte ich immer ein relativ gestörtes Verhältnis zu ihm. Er ist mir immer aufgefallen, dass er Kleinpäckchentricks oder Münzroutinen mit seltsamen Chinesischen Münzen an seinem Händlerstand vorführte. Ich hatte ihn rasch in eine Schublade gesteckt. An dem Abend habe ich gelernt, dass man mit seinen Vorurteilen vorsichtig umgehen muss.

Henry die Person:
Ein fröhlicher lebenslustiger Mensch, dessen Lachen ansteckend ist. Man merkt ihm seine Freude an, wenn er einen Raum voller Zauberkünstler mit seinen raffinierten Konzepten täuscht. Dabei gilt die Devise, weniger ist mehr. Er der ein hervorragender Techniker ist, scheut sich nicht ein Hilfsmittel zu verwendenden. Seine Devise ist: Am Ende liegen nur mehr unpräparierte Dinge am Tisch.
Da sieht man den Mann aus der Praxis, der weiss, dass ein Kunststück das man nicht aus der Hand geben kann und verdächtig ist, immer nur ein Trick sein kann, nie ein Wunder.

Bekannte Effekte zu umzuarbeiten, dass man sauber (ohne präparierte Requisiten) endet, hat ihn auf viele neuen Ideen gebracht.

Auch der Aufbau seiner Kunststücke und das Display beim Finale ist choreographiert und steigern den Effekt beträchtlich.

Der Effekt geschieht im Kopf des Zuschauers. Diesen Grundsatz nützt Evans immer wieder aus, lässt durch geschicktes „Wording“ Bilder in den Köpfen der  Zuschauer entstehen, die meist wenig mit der Realität zu tun haben. Sie sind ganz einfach spektakulärer wie die Wirklichkeit.

Evans macht auch sehr geschickt Gebrauch von Hilfsmitteln, die er oft antizyklisch verwendet um so vom Modus operandi abzulenken.
Die Präparation ist meist nicht im Fokus und wird ohnedies im Laufe der Vorführung eliminiert.

Das Seminar ist stark Karten lastig, die Themen sind das Spiel oder Geld bzw. Herausforderungen. Themen die Laienzuschauer eben interessieren. Der Fokus liegt immer stark auf dem Zuschauer.

Im zweiten Teil des Seminars, streift Evans ein Kapitel, das für mich der Höhepunkt des Seminar darstellt.

„The Trick which cannot be explained“ hat Dai Vernon populär gemacht. Er liest sich trocken, unspektakulär und wird daher nur selten vorgeführt. Man muss die Effekte sehen um zu verstehen, warum Dai Vernon damals so ein Aufsehen erregte.

In einigen Beispielen zeigt Henry Evans die Möglichkeiten mit den dazugehörigen Techniken. Darüber könnte man ein Wochenendseminar machen. Schade, das wäre Stoff für einen Workshop.
Beeindruckend auch seine puristische Form (ohne jede Tricktechnik) dieses Effekts. Ein Lehrbeispiel von Jazzmagic auf hohem Niveau.

Nach über 3 Stunden ist das Seminar zu Ende. Viel zu lange, nach einem langen Arbeitstag, aber niemand hat auf die Uhr geschaut. Es war spannend und beeindruckend. Präsentiert von einem Mann, dem man die kindliche Freude anmerkt, mit raffinierten unverschämten Methoden den Zuschauer zu täuschen. Es ist keine Schadenfreude, sondern der Spass an Methoden und Verhaltensmustern.

Ich habe diesem Mann Unrecht getan. Er ist ein ganz großer der Zauberkunst und dazu noch  sehr sympathisch.

Übersetzt hervorragend von Jörg Alexander, der den Redefluss von Evans nicht stoppte sondern dezent im Hintergrund übersetzte. Eine emotionale Geste am Schluss des Seminars, als Henry Evans, Jörg Alexander gesteht, dass er sehr aufgeregt war, da Jörg ein Vorbild für ihn ist.

Danke an Michaela, Alexander und Christian für eure Gastfreundschaft!



Kategorien:Review

2 replies

  1. Lieber Hanno,
    ich kann mich deiner Meinung über Henry Evans nur anschließen und dir zustimmen. Es freut mich, das ihr die Zeit für die Fahrzeit nach München aufwendet und immer wieder Gast von solchen wunderbaren Abenden seid.

    Alexander Krist

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