Die Show der Ehrlich Brothers in München

P103057611. Dezember 2012, 20:00, 2. Reihe Platz 8: zusammen mit Freunden des Magischen Zirkel Tirols fahren wir unter den schlechtesten Wetterbedingungen zum Messezentrum München.

Die viel gepriesene Show der Ehrlich Brothers Chris und Andreas macht Station in unserer Nähe, das ist quasi ein Pflichttermin.

Nun bin ich etwas vorbelastet, denn die Ehrlich  Brüder habe ich 2004 beim Österreichischen Kongress in Mayrhofen engagiert. Sie bestritten einen größeren Teil der Eröffnungsshow und einen Part in der Samstag Gala.
Ich finde sie also gut, aber seit dem sind 8 Jahre vergangen und ehrlich gesagt, damals hätten sie auch keine Hallen gefüllt.

Im Foyer des riesigen Messezentrums treffen wir auf das Who is who der süddeutschen Zauberszene. Ich erspare mir eine Aufzählung, aber offensichtlich will man die Show einmal selbst sehen um zu urteilen.

Der Saal ist groß und unpersönlich. Seine Dimensionen sind furchteinflößend. Man sinkt in weiche Kinobestuhlung, aber zauberhafte Stimmung kommt nicht auf. Der Bühnenvorhang offen. Die Bühne angeräumt mit futuristischen Requisiten, die einer Traum – Werkstatt entsprungen sind. Die Bühne hat im Falle des Messezentrums keine tiefe Bühne, sodass alle verwendeten Requisiten sichtbar aufgestellt werden müssen. Zwischenvorhänge sind hier nicht möglich. Wohl aber an anderen Spielorten.

Dann beginnt die Show mit einem Quickchange von Chris, der daraufhin das Publikum mit Andreas begrüßt. Sehr sympathisch bemerken beide, dass sie sich freuen dass so viele Leute gekommen sind, wo sie doch noch so unbekannt sind. Keine Angabe und Superlative sondern sympathisches Understatement.

Das Programm wechselt sich ab. Zum einen gute Sprechnummern der Beiden, wo sie mit dem Publikum spielen, dann wieder Großillusionen. Herausheben möchte ich die Bauchredner Nummer von Andreas mit seinem süßen Kamel, die Stahlplatten Durchdringung, nach einer Idee von Andre Kole, sehr überzeugend und gut vorgeführt. Wesentlich besser wie dasOriginal. Und dann der Feature Effekt, das Verbiegen von zwei Eisenbahnschwellen zu einem Herz.

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Wie es der Zufall und meine begleitenden Zauberfreunde so wollen fällt die Wahl bei dem seit über 20 Jahren verheirateten Ehepaar auf mich und Gabi. Wir werden kurz interviewt, dann verbiegen die beiden die Schwellen für uns.
Ich habe schon viel von diesem Kunststück gehört, habe es auf You Tube gesehen, hab die große Promotion der beiden im Garten von Uri Geller gesehen. Für mich war  klar, dass wenn ich selbst live dabei bin, dass ich spätestens nachher weiss, wie es geht.

Dass ich aber auch noch im Anschluss mit Gabi auf die Bühne kommen kann um die Schwellen zu untersuchen (und das habe ich ausführlich gemacht) daran hätte ich nie gedacht. Wir begleiten das Herz anschließend ins Foyer, wo auch die anderen Zuschauer alles auf Herz und Nieren überprüfen dürfen. Ich habe nach vielen Jahren wieder einmal wirklich staunen können. Es ist so überzeugend, ich habe keine Ahnung wie es geht.

In der Pause kommen viele Leute auf uns zu, glauben dass wir eingeweiht sind oder Geld bekommen haben. Nein es war alles so, wieman es sehen konnte. Wir haben das verdammte Ding niemals aus den Augen verloren, ich bin wohl noch nie so getäuscht worden, denn, dass man Schienen nicht wirklich verbiegen kann, das weiss ich auch selbst.

Nach der Pause kommt ein weiterer Höhepunkt: Der Orangenbaum, der aus einem Kern wächst und anschließend einem Kind geschenkt wird. Einfach nur zauberhaft gemacht. Dazwischen weitere Sprechzauberkunststücke, ein lustiger Banknight Effekt, das Erscheinen einer Bowlingkugel und eine Kegelsequenz.

Zum Schluss präsentieren die Brüder eine Entfesselung unter einer Kreissäge. Wir kennen dieses Thema, es ist dramaturgisch sehr gut gemacht. Ein technisches Gebrechen lässt die Säge auf Chris Ehrlich krachen. Man befürchtet schon das Schlimmste, aber er erscheint völlig unverletzt, plötzlich am andern Ende des Ganges.

Nach der Verabschiedung dann noch ein letztes Kunststück. Aus leeren Händen erscheint Schnee. Technisch perfekt gemacht, leider geht der Effekt ein wenig unter. Wenn man weiss was Copperfield, Dani Lary oder Kevin James aus dem Effekt macht, sollte man sich diesem Ende nochmals mehr Aufmerksamkeit schenken.

Das Publikum wirkte etwas müde. Es gab keine großen Begeisterungsstürme, aber durch die Bank guten Applaus. Ich denke es hat dem Publikum sehr gut gefallen. Die akute Schneelage in München und die Sorge den Heimweg rasch anzutreten hat vielleicht auch etwas zur raschen Aufbruchstimmung beigetragen.

Mein Fazit: Eine super Show, mit wunderschönen Requisiten und einem sehr sympathischen Künstlerpaar. Einige unglaublichen Originaleffekte bzw. Interpretationen machen es auch für den Spezialisten und Insider sehr sehenswert.

Die Show lebt von den beiden Künstlern, das Konzept hinter der Show würde meiner Meinung nach Regiearbeit gut tun. Es ist manchmal ein willkürliches Aneinanderreihen von Effekten. Dadurch leidet die Dramaturgie.

Allerdings habe ich auch schon perfekt aufgebaute Programme gesehen, wo trotzdem die Persönlichkeit des Künstlers fehlte. Da kann ich mit einem Abend wie gestern besser leben.

Es war die Reise nach München mehr als wert und ich kann nur jedem Freund der Zauberkunst empfehlen sich diese tolle Show selbst anzuschauen und sich ein Bild zu machen.
Chris und Andreas, die Zukunft gehört Euch, ich wünsche euch weiterhin solche Visionen und den Mut sie zu verwirklichen.

Eine Vorschau auf die Tournee 2014/2015 findet ihr hier:  HIER



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