Wen wunderts dass ich traurig bin, mir kommt Kopieren in den Sinn……

Wen wunderts dass ich so traurig bin, mir kommt das Kopieren in den Sinn
ACTA in der Zauberkunst – Urheberrecht, Schutz des geistigen Eigentums oder Kavalierdelikt?

Aus dem Internetshop lacht mir ein Losandertisch entgegen. Design  unverwechselbar, einer dieser wunderbaren Requisiten, die bei perfekter Vorführung wirklich bezaubern können.

280,– Euro der Preis lässt mich stutzen und beim genauen Hinschauen, entdecke ich, dass es ein Plagiat ist, dass ein chinesischer Händler aus München skrupellos anbietet.

Aber er ist nicht allein. Auch bei etablierten Zaubershops findet man zur Zeit Plagiate, Kopien von Originaltricks im Angebot. Oft sogar noch mit der Originalbezeichnung des Kreators oder mit Raubkopierter Vorführung des Kopierten.

Die Branche schweigt dazu.

Selbst in Zauberforen entwickeln sich bereits zu Erfahrungsplattformen, wie man möglichst billig zu solchen Kopien kommt. Beiträge die daran erinnern, dass man andere Künstler damit schadet sind nicht gerne gesehen, werden behindert.

Er sind nur Beispiele für die Scheinmoral unserer Branche.

Viele nennen sich all zu gerne Künstler, sind aber nichts anderes als Papageien der Eitelkeit, die sich nicht um die scheren die diese Wunder ermöglichen.

Ich begann bekannte und weniger bekannte Anbieter von offensichtlichen und bekannten Kopien zu kontaktieren und bat sie mir Ihre Sicht der Dinge zu erläutern.

Die Reaktionen darauf waren bemerkenswert. Von über 30 Händlern bekam ich 8 Reaktionen, der Rest war Schweigen.

5 Händler drohten mir rechtliche Schritte an, wenn Ihr Namen im Artikel genannt wird. Ein Händler schickte mir ein Foto seiner Kinder und erklärte mir, dass ich seine Familie ruinieren würde, zwei Händler nahmen sich Zeit mir umfassend Ihre Sicht der Dinge zu nennen.

Unbestritten war selbst für diese Händler, dass es Kopien sind.

Die drei wichtigsten Rechtfertigungen z.B. beim Losandertisch waren:

1) Der Losandertisch ist zu teuer, nicht jeder könne ihn sich leisten.

2) Den Zauberkunden ist es meist vollkommen egal, Hauptsache preiswert.

3) Losander könne ja klagen, wenn er im Recht ist

Ad 1)  Muss sich jeder alles leisten können? Rechtfertigt es Hehlerware zu verkaufen, damit ich einen größeren Markt habe?

Ad 2) Das ist leider wahr und wirft eine trauriges Sittenbild auf unsere Branche. Dabei müsste man glauben, dass gerade in einem Sparte die von Kreativität lebt, ein Respekt gegenüber geistigen Eigentum vorhanden sein müsste.

Ad 3) Wer sich im Urheberrecht und Patentrecht auskennt weiß wie schwierig, zeitaufwendig und kostspielig es ist, seine Rechte geltend zu machen.

Für einen einfachen Zauberkünstler nicht wirtschaftlich.

Diskussionen mit Zauberfreunden erschrecken. Sie verstehen, dass hier Unrecht passiert, aber man versucht zu relativieren. Mir wird rasch klar warum. In meinem Bekanntenkreis arbeiten 8 Zauberfreunde mit einem Losandertisch, davon aber nur einer mit dem Original.

Der Markt bedient die Kunden. Sie bekommen das was sie verlangen zu Preisen die sie sich leisten können. Dafür ist offensichtlich jedes Mittel recht. Moral wird relativiert, in Zeiten wo Staatsoberhäupter und Regierungsmitglieder das Augenmaß von Moral verlieren, darf man da dem gemeinen Zaubervolk Vorwürfe machen?

Mir kommt ein Gespräch mit Roberto Giobbi in den Sinn. Als er den ersten Teil der Kartenschule als DVD auf den Markt bringt, meint er auf meine Frage nach einer Fortsetzung: „Das wird sich zeigen. Wenn die Raubkopien das Projekt unwirtschaftlich machen, dann sicher nicht.“

Resignation darüber, dass man sein eigenes geistiges Eigentum, ja selbst seine original Produktionen nicht mehr schützen kann?

In den Klubs und zwischen Zauberfreunden gehören Raubkopien oft schon zum guten Ton. Es gibt keine Hemmungen danach zu fragen, es wird mit Unverständnis darauf reagiert, wenn man es ablehnt.

Dass man oft bereits Fälschungen kauft, und der Meinung ist, dass es ein Original ist, habe ich auch lernen müssen. Tenyo Artikel werden mit so einer Präzision gefälscht, dass selbst der Kenner sie nur schwer unterscheiden kann. Werry war mit seinen Kreationen selbst ein Betroffener. Lex Schoppi erzählt mir, dass seine Quickchange Fliegen, inzwischen als billige Raubkopie aus China mit seinem Promotionvideo verkauft werden. Kunden reklamieren dann bei ihm über die miserable Qualität, da sie meinen, dass es seine Produkte seien.

Dabei ist das Thema uralt. Schon Wilsmann um die Jahrhundertwende verwendete sehr viel Zeit und Energien darauf seine Produkte durch Patente und Gebrauchsmusterschutz vor Nachahmern zu schützen. Doch heute stehen den kriminellen Machenschaften jede technische Möglichkeit zur Verfügung. In Windeseile verbreiten sich Plagiate im Netz

Gregory Wilson erzählte mir bei seiner letzten Seminartour, dass er nur noch DVD´s herausbringt, bei denen ein Gimmick inkludiert ist, um reine DVD Kopieren zu verhindern.

Bob Kohler und Bob Fitch vermarkten Ihr legendäres Holdout in dem Sie es nicht mehr verkaufen, sondern verleasen, und das zu einem stolzen Preis.

Der Zwang etwas zu besitzen bzw. möglichst viel zu besitzen, unabhängig ob man es verwendet oder es sich leisten kann ist offensichtlich stärker wie jede Moral. Das ist auch der Grund, warum ich in dem Artikel keine Händler nenne, die sich mit solchen Angeboten die Finger schmutzig machen. Ich fürchte ich würde genau das Gegenteil erreichen und eine Bestellflut bei Ihnen auslösen.

Hanno Rhomberg, 2012
(Teil der Colume in der Fachzeitung „Magische Welt“ von Wittus Witt. Das Magazin ist sehr lesenswert und kann hier bestellt werden:
www.magischewelt.de



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