Jugendarbeit im Magischen Zirkel Tirol

Lange Zeit hatte sich unser Zirkel nicht mehr für Jugendarbeit engagiert. Der Zuwachs an Mitgliedern entstand ausschließlich durch externe Mitgliedern anderer Vereinigungen.

Konsequenz war eine Aushöhlung des Vereinslebens und eine Vergreisung des Vereins. Dieser Zustand zeichnet sich meist darin aus, dass aktive Zauberei immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird und Vereinsmeierei, „Zauberlatein“ und Vergangenheitsbewältigung der älteren Klubmitgliedern die Zirkelabende dominieren. Dieses Klima ist wenig anziehend für junge Zauberentusiasten, die Zauberei suchen und keinen Stammtisch. Dazu kommt, dass neue Mitglieder als Bedrohung des Zaubermarktes gesehen werden. Die Angst vor Konkurrenz verhindert so den Zugang neuer Interessenten.

Bei unserem Zirkel kam es nach dem erfolgreichen Kongress 2004 in Mayrhofen ein Umdenken. Eine neue Klubführung und die Konzentration auf die aktiven Zauberkünstler führte zu einer offenen Haltung Neuem gegenüber. Vorbild waren uns dabei unsere Ehrenmitglieder Magic Christian und Argola aus Berlin. Beide haben in ihren Klubs vorgelebt, wie man Nachwuchsförderung erfolgreich betreiben kann.

Unser Konzept war, für Jugendliche eigene Abende zu veranstalten um sie Abseits des traditionellen Klublebens mit der Zauberei zu konfrontieren.

Unsere Präsenz im Internet, wo wir speziell Jugendliche ansprachen, eine Facebookseite des MZT und das aktive Herangehen an uns bekannten zaubernden Jugendlichen führte schließlich dazu, dass vier Interessenten zu uns fanden. Weitere sollten im Laufe der Zeit dazukommen. Bei einem Mitgliederbestand von 3-5 zaubernden und aktiven Klubmitgliedern  ist dies eine echte Herausforderung.

Jedes Treffen stand unter einem Schwerpunkt (Requisiten, Griffe etc.), um die Jungs auf die Aufnahmsprüfung in den Zirkel vorzubereiten. Es ist in meinen Augen wichtig ein Ziel vor Augen zu haben. Angenehme Nebenwirkung: die bestehenden Mitglieder wurden motiviert, sich wieder intensiver mit der Zauberkunst zu beschäftigen. Plötzlich wurde wieder aktiv gezaubert. Parallel dazu wurden Seminarleiter eingeladen um auch wieder mehr Inspiration von außen zu bekommen.

Großartig dabei das Engagement vieler Seminarleiter. Auf meine Bitte machten einige im Vorfeld des Seminars einen eigenen Workshop für die Jungs des Jugendklubs, kostenlos. Wenn erfolgreiche Profis wie Christian Knudsen, GAzzo etc. über ihren Start in die Zauberei erzählen, Tipps für´s Üben, Einstieg in das professionelle Zaubern, dann ist das sehr viel Motivation. Toll auch das Engagement von Rudi Heuer und Dr. Marrax, die für den Jugendklub extra kostenlos nach Innsbruck kamen. Magic Christian hat ebenso zugesagt, mit anderen Künstlern sind wir im Kontakt. In unserem Prozess kamen uns auch der MRA mit seinem Jugendprogramm zu Hilfe. Die Workshops die unter der Leitung von Wolfgang Moser und dem Engagement von Peter Lipp, Philipp Tawlik und den Mitgliedern der Magic Mushrooms waren eine tolle Ergänzung. Selbstverständlich übernahmen wir vom Zirkel die Kosten für die Jugendlichen für solche Veranstaltungen.

Aus meiner Sicht ist das Öffnen des Zirkels nach außen und die Integration externer Zauberprofis wichtig für die Motivation der Jugendlichen. Sie sollen mit guter Zauberei konfrontiert werden, sollen sehen wie internationale Standards aussehen. Nach dem Motto: „unter Blinden ist der Einäugige König, sind wir auch immer bemüht „Zweiäugige“ zu präsentieren!!  😉

Toll fand ich, dass im Februar dieses Jahres ein selbstinitiierter Jugendworkshop entstand. In Eigenititiative organisierte Tim Noldin in Zusammenarbeit mit Lukas Zainzinger überregional in Salzburg einen Jugendworkshop mit Johann Stahl, Thomas Fraps, Philipp Tawlik, und Mitgliedern der Magic Mushrooms.

Es macht ein wenig Stolz, denn das werden vielleicht einmal auch die Zauberkünstler sein, die später die Energie und Begeisterung haben, österreichische Kongresse zu organisieren.

Stolpersteine auf dem Weg gibt es viele. Die Jungs sind in einem Alter wo es oft andere Prioritäten gibt. Ausbildung und das andere Geschlecht üben eine besondere Anziehungskraft aus. Ersteres als Notwendigkeit, zweiteres hormonell gesteuert. 😉

Auch kann und will man nicht immer die Erwartungen von Interessenten erfüllen. Die Herausforderung an beide Seiten ist die Toleranz die es erfordert in einer Gruppe in der Altersspanne von 15 – 86 Jahren, Zirkelabende zu gestalten und zu erleben. Unterschiedliche Zaubersparten zu akzeptieren (Kinderzauberei bis Extrem Manipulation) und mit den unterschiedlichen Geschmäcker (Glimmer, Federblumen puristisch natürlichen Zauberutensilien ) klarzukommen.

Es fordert von beiden Seiten, sich zu öffnen und sich bereichern zu lassen. Dabei muss sich der Verein nicht den Bedürfnissen der Jugend unterordnen. Beide Seiten müssen sich hier einbringen und auch bereit für Neues offen zu sein.

Es ist oft wie bei einem Musikabend, wo Hard Rock, House, Gospel, Volksmusik und Klassik gemischt gespielt würde. Das Gemeinsame dabei zu entdecken ist Zauberfreunden vorbehalten, die die Kunst und Begeisterung in den Mittelpunt stellen. Wie in der Musik können auch andere Stilrichtungen befruchten und inspirieren. Das macht den wahren Künstler aus.

Viele Zauberfreunde haben uns unterstützt. Die tollen Veranstaltungen bei Christian Münch, Michaela und Alexander Krist in München, der Besuch bei unseren Zauberfreunden in Berlin, die Unterstützung beim Besuch beim Kongress in Sindelfingen, überall begegneten uns Zauberfreunde, die sich einbrachten.

Aus unseren bisherigen Erfahrungen möchte ich abschließend ein paar Erfahrungen weitergeben.

Mein Apell an die Zaubervereine:

-öffnet euch und bietet ein Umfeld das für junge Leute interessant ist

-Bedient euch moderner Kommunikationsmittel um die Jugendlichen zu erreichen.

-Reduziert den Vereinsbürokratismus auf ein Minimum und stellt die Zauberei in den Vordergrund.

-Bringt auch Profis und externe Seminarleiter in eure Zirkel, um den Blickwinkel zu erweitern und Jugendliche zu motivieren.

Mein Wunsch an die Jugendlichen:

-Fordert von euren Vereinen ein, dass sie auch für euch attraktiv sind.

-Bringt genug Toleranz mit, auch andere Sparten und Geschmäcker zu tolerieren.

-Versteht, dass es auch gewisse notwendige Regularien in Vereinen geben muss, aber nehmt sie nicht zu ernst….  😉

-Seit selbst initiativ. In Zeiten von Facebook, Email, und Foren ist es einfach sich untereinander zu vernetzen, selbst aktiv zu werden. Die Welt ist klein geworden, nutzt dies um Gleichgesinnte zu erreichen.

Ein Magischer Zirkel ist nicht eine Notwendigkeit für eure „Magische“ Zukunft und Weiterbildung. Sie kann aber eine große Chance sein.

Der Weg den der Magische Zirkel Tirol hier gegangen ist und weitergeht ist alles andere als perfekt. Mit Vielen Dingen sind wir unzufrieden.

Es ist aber der ernsthafte Versuch Dinge zu ändern und zu verbessern.

Es gibt in Österreich einige erfolgreiche und spannende Initiativen, die für uns Vorbild sind.
Unser Verein hat aber auch gezeigt, dass Größe nicht zählt. (zumindest bei der Mitgliederanzahl). Unsere Teilnehmer der Klubabende haben sich inzwischen durch unsere Initiative fast verdreifacht. Es wird wesentlich mehr gezaubert. Mitglieder unseres Schwesternverein in Innsbruck finden immer wieder den Weg zu uns. Was uns früher trennte, verbindet uns heute.

Nicht zuletzt präsentierten sich die Jugendlichen nun schon zum dritten Mal beim öffentlichen Jazzfestival Bourbonstreet in Tirol, wo sie einen Close-up Corner selbstständig gestalteten und so neben Routine vor Zuschauern auch eine finanzielle Basis für weitere Aktivitäten erarbeiteten können.

Man braucht auch verrückte Mitstreiter die sich engagieren. Bei uns in Tirol ist das Franz Kaslatter alias Zauberfranz, einer der Treiber und Initiatoren.

Lust uns zu unterstützen? Wer uns einmal besuchen möchte um ein Seminar zu machen, ist herzlich eingeladen. Wir haben zwar wenig Geld, aber es ist immer lustig bei uns, Hotel organisieren wir und unsere Afterlecture Essen sind legendär. Fragt mal Gregory Wilson, Gazzo oder Wayne Houchin.

Und landschaftlich hat die zweifache Olympiastadt Innsbruck viel zu bieten.

Wie sagt man so schön, „Ein Lecture für Luft und Liebe (zur Zauberkunst)“

Meldet Euch:

hanno.rhomberg@me.com

Erstveröffentlichung im Aladin 2011, Fachzeitschrift des Magischen Ring Austria



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1 reply

  1. Auf meinen Aufruf an Zauberkünstler den Jugendklub zu unterstützen gab es zwei Initiativen:

    Magic Christian wird ein kostenloses Seminar für den Jugendklub geben.

    Das Zaubertheater Krist&Münch hat uns mehrfach zu Vorstellungen eingeladen!

    DANKE!

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