Täuschungsmanöver – Magic Mushrooms

Täuschungsmanöver – Magic Mushrooms

Zauberei wird in Österreich wieder Salonfähig

Nach Jahren der öffentlichen Ignoranz bekommt Zauberkunst in Österreich wieder einen Platz in der breiten Öffentlichkeit.

Lange gab es neben einer kleinen Zauberszene, die sich vor allem im Untergrund abspielte, nur einen österreichsichen Zauberkünstler der in der öffentlichen Wahrnehmung eine wesentliche Rolle spielte: Magic Christian als Zauberkünstler und Historiker.

In den letzten Jahren hat sich eine Zaubertruppe entwickelt die mit Ihren Erfolgen aufhorchen lässt.

Ihre 8-teilige TV Zaubersendung erreichte im Schnitt je 250.000 Zuseher in Österreich, das darauffolgende Liveprogramm wurde bisher 19 mal vor ausverkauftem Haus gespielt.

Die Fernsehserie war kurzweilig, amüsant, doch wenn man mit Laien spricht bemerkt man, dass Zauberkunst im Fernsehen ein Glaubwürdigkeitsproblem hat.

Doch wie kommen die „narrischen Schwammerln“ live rüber?

Tricky Nicky, Wolfgang Moser, Philipp Gangelhofer und Harry Lucas sind in der Zauberszene keine Unbekannten.

Zusammen nennen sie sich die Magic Mushrooms. Als unsichtbarer fünfter kreative Kopf agiert der  Zauberkünstler Markus Zadina als Magic Consultant.

Bei meinem Besuch ist das Theater mit 360 Zusehern komplett ausverkauft. Die Stimmung ist großartig, die Erwartungen sehr hoch.

Es beginnt  klassisch mit Exit von Thomas Fischer. Allerdings im 4-er Pack.

Das „Duell“ ist ein köstlicher Kartentrick, indem zwei Zauberkünstler versuchen sich gegenseitig zu übertreffen. Viel Wortwitz, gute Skripts aber auch Platz für Improvisation machen dieses Stück zu einem Highlight.  Zauberkunst mit einem Augenzwinkern präsentiert, ohne sich selbst zu ernst zu nehmen. Das wirkt sympathisch und glaubwürdig.

Manipulation, wechselt sich in rascher Folge mit Mentalnummern, Rechenkunst, Taschendiebstal, Entfesselung und Bauchreden ab.

Ein weiter Spagat, der aber perfekt funktioniert, da jeder der vier Künstler in seiner Rolle bleibt:

Harry Lucas, der Mentalist, zeigt, dass man diese Sparte der Zauberkunst auch sympathisch rüberbringen kann. Er hat an diesem Abend eine schwierige Zuseherin erwischt, und demonstriert dass man solch widrige Umstände zu seinem Vorteil gestalten kann. Großartig!

Philipp Gangelberger, der Rechenkünstler ist der trockene nüchterne Typ, der Gedankenlesekunst knackig präsentiert ohne langatmig zu werden. Auch für Fachleute wirkt seine Präsentation spannend und er überrascht mit neuen Aspekten selbst bei Klassikern.

Wolfgang Moser, kennen wir als erfolgreichen Close-up Künstler. Er zeigt dass man Close-up Effekte auch auf Bühnen präsentieren kann, wenn der Aufbau und das Tempo stimmt. Gerade auch im Dialog mit seinen Bühnenpartnern wirkt er magisch und  erzeugt Staunen.

Tricky Nicky ist der Lausbub der immer für einen Gag gut ist. Er ist der Sonnyboy der Gruppe, der mit seinen Bauchrednernummern brilliert. Seine hervorragende Technik nimmt man zur Kenntnis, diese tritt aber durch sein überzeugenden Spiel mit Zuschauern oder Klorollen ohnedies in den Hintergrund. Er zeigt, dass Comedy nicht auf Kosten eines Zuschauers oder eines Magischen Effekts gehen muss. Billiger Geheimnisverrat braucht man nicht um Lacher zu erzielen.

Die besten Momente passieren immer dann, wenn die unterschiedlichen Charaktere aufeinander stoßen und miteinander agieren.

Die besondere Stärke liegt in der Regie des bekannten Schauspielers Berhard Murg  der es geschafft hat, Nummern zu kürzen und auf den Punkt zu bringen. Das ist Zauberei ohne Längen, die den Wunsch nach mehr wecken.

Wer ein durchgängiges Programm mit einem roten Faden erwartet hat wird enttäuscht. Das war nicht das Ziel dieses Abends. Ein bunter Reigen der Zauberkunst präsentiert von 4 sympathischen Künstlern.

Das Laienpublikum ist begeistert, die Erwartungen mehr als erfüllt.

Man sollte sich die Show selbst ansehen und wird auch als Zauberkünstler nicht enttäuscht sein.

Und das auf der wohl renommiertesten Kleinkunstbühne Österreichs, dem Kabarett Simpl. Das ist gut für die Zauberkunst.

Hanno Rhomberg 2010
(Dieser Artikel erschien in der Magischen Welt, dem führenden Zauberjournal im deutschsprachigen Raum. Abos sind hier erhältlich:
www.magischewelt.de



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